Religion Privatsache? Die Diskussion

Podiumsdiskussion des Säkularen Bündnis Rhein Neckar
Dienstag, 28. April 2015 · 20:00 Uhr · Deutsch-Amerikanisches Institut (DAI) · Sofienstraße 12 · 69115 Heidelberg

Religion Privatsache? Im Sinne der Religionsfreiheit ist das gut, denn jeder Mensch sollte privat und ohne öffentliche Vorgaben entscheiden können, welcher Religion er angehören möchte. Die Ausübung der Religion im Privaten ist im besonderen Sache jedes Einzelnen.
Was jedoch, wenn Religion in der Öffentlichkeit stattfindet?

Religion Privatsache Facebook

Ist mit „Privatsache“ die Verbannung von Religionen und Weltanschauungen aus der Öffentlichkeit gemeint? Wie kann im Zeitalter sozialer Netzwerke und Internet noch zwischen privat und öffentlich unterschieden werden?

Religionen und Weltanschauungen haben das Recht sich öffentlich zu äußern und öffentlich zu agieren. Wie Vereine, Kultureinrichtungen und NGOs dürfen und sollen sie zur öffentlichen Meinungsbildung beitragen. Es ist wichtig für unsere Gesellschaft, dass wir nicht nur einen interreligiösen Diskurs pflegen.

Gibt es jedoch einen Anspruch auf eine staatlich-politische Öffentlichkeit? Muss die Öffentlichkeitsarbeit von Religionen und Weltanschauungen staatlich finanziert werden? In Bezug auf den öffentlichen Rundfunk sowie die religionsbezogene Medienarbeit genießen die christlichen Religionsgemeinschaften immer noch privilegierte Verhältnisse. Öffentlichkeit muss hier noch nicht automatisch eine öffentliche Förderung durch staatliche und politische Ebenen bedeuten.

Das Verhältnis von privater und öffentlicher Religion braucht eine räumliche, rechtliche, freiheitliche und politische Klärung. Neue gesellschaftliche Verhältnisse sollten früh genug Grenzen ziehen und Gestaltungsspielraum ermöglichen.

Der AK Laizistinnen und Laizisten in der SPD lädt im Namen des Säkularen Bündnisses ein zur Podiumsdiskussion mit Vertreter*innen aus Politik, Religion und Weltanschauung.

Teilnehmer:
Gerhard Schick, MdB die Grünen
Çezik Bektaş, Koranlehrer und Vorstand der Mannheimer Moschee
Ilka Sobottke, Pfarrerin der City-Kirche Konkordien und der Evangelischen Studierendengemeinde Mannheim
Sebastian Wucher, säkulare Humanisten
Moderation: Adrian Gillmann, SPD Laizisten

Nachlese: Wir sind Charlie?

Am Dienstag, 10. Februar 2015, hat sich eine bunte Truppe aus Christen, Laizisten, Humanisten, Muslimen, Orthodoxen, Agnostikern und Mitglieder verschiedener Parteien, darunter der stellvertretende Bundesvorsitzende der PARTEI (verbunden mit dem Satire-Magazin „Titanic“) getroffen, um über das Verhältnis von Religion und Satire zu diskutieren. Mehr als 40 Interessierte waren ins Deutsch-Amerikanische Institut Heidelberg gekommen. Die Redaktionssitzung der etwas anderen Art wurde von Marc Mudrak moderiert, der verschiedene Karikaturen zur Abstimmung und Analyse vorstellte. Dürften diese in einem fiktiven Magazin gedruckt werden?

Dabei reichte die Auswahl der Karikaturen von Bildern, die Religionen im Allgemeinen als „prähistorische“ Fundstücke auswiesen, über den „Fanta-Papst“ der „Titanic“ bis hin zu den umstrittenen Mohammed-Karikaturen des Jylland-Posten und von Charlie Hebdo. Entscheidungen über die Druckfreigabe waren in der Regel mehrheitsfähig, mitunter wurden sogar eher Langeweile und fehlende Aussagekraft der Karikaturen beanstandet. Das selbstgesteckte Ziel, dass möglichst alle von einer Karikatur beleidigt nachhause gehen sollten, wurde nicht erreicht. Vielmehr zeigt der Meinungsaustausch, wie schwer es offenbar ist, religiöse Gefühle zu verletzen, wenn Kritik gehört werden darf und in einer Gruppe auch abweichende oder sogar Einzelmeinungen respektiert werden.

P1030722Die Aussage von Humanisten, dass zwischen Einzelpersonen und dem religiösen System oder der religiösen Idee unterschieden werden müsse, teilten nicht alle Anwesenden. Dass Menschen Respekt verdienen und Ideen nicht, wurde zumindest dann in Frage gestellt, wenn es um die gegenseitige Anerkennung ging. Beiträge von Christen betonten vor allem die mögliche Verletzlichkeit und die Forderung, dass gegenseitige Rücksichtnahme vonnöten sei.

Die Karikatur als Mittel der Kritik an Macht und gesellschaftlichen Verhältnissen wurde von dem Typ der politisierenden Schmähschrift unterschieden, die vor allem einzelne Personen und Gruppen angreife. Dabei sei Religion in diesem Sinne immer politisch, weil sie als System und Organisation politische und soziale Macht ausdrücke, während die Überzeugung des Einzelnen immer zu achten sei.

Deshalb verstand es auch ein Humanist angesichts des „Fanta-Papstes“ als Schmähung, dass die Person des Papstes angegriffen wurde. Andere wiederum sahen gerade darin eine Kritik an der Organisation der Kirche, ihrer Hierarchie und Bürokratie. Was beim amerikanischen Präsidenten erlaubt sei, dürfe bei religiösen Oberhäuptern nicht verboten werden.

Eine Karikatur „Kirche heute“ der „Titanic“, die einen Priester in eindeutig zweideutiger Pose vor einem gekreuzigten Jesus zeigte, sorgte für Kontroversen. Während einige humanistische und agnostische Teilnehmer diese sexuelle Anspielung auf die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche eher langweilig fanden, sahen andere darin eine Form der Offenlegung der Doppelmoral kirchlicher Institution. Der Vertreter der PARTEI betonte, dass die Darstellung die Opfer sogar schütze, da sie diese nicht abbilde.

Eine Karikatur über Atheisten und Agnostiker zeige eine auf Bahngleisen liegende Person, die von Christen vor dem herannahenden Zug gewarnt wird. Der menschliche Irrtum im Allgemeinen wurde ebenso als Deutung herangezogen, wie die Feststellung, dass Atheisten oft nur einen Glauben in anderer Form hätten. Dem wurde zumindest von anwesenden Atheisten wiedersprochen.

Der Prophet Mohammed auf der Couch, der sich in einer therapeutischen Sitzung über den mangelnden Humor seiner Anhängern beklagt, fand hingegen großen Anklang. Die 2010 im Zuge von Mordrohungen gegen amerikanische Comiczeichner entstandene Karikatur zeugte in den Augen vieler Diskutanten von Witz und einer klaren Stellungnahme gegen Fundamentalisten und Radikale, ohne die Religion an sich zu kritisieren.

Der weinenden Mohammed von 2006, der das Titelbild von Charlie Hebdo zierte, wurde hingegen als eher in Frankreich wirksame Karikatur angesehen. Mohammed beklagt sich auf dem Bild über sein hartes Schicksal, das darin bestehe, von Idioten geliebt zu werden. In der Debatte wurde herausgearbeitet, dass Satire immer auf den jeweiligen gesellschaftspolitischen Kontext zu beziehen ist und gerade hieraus ihren Biss erhält.

Die letzte Karikatur war die berühmte Karikatur von Kurt Westergaard aus dem Jylland-Posten, die den Propheten Mohammed mit einer Bombe auf dem Kopf zeigt. Diese 2005 veröffentlichte Karikatur wurde fast ein Jahr später gezielt von radikalen Predigern in mehrheitlich muslimischen Ländern verwendet, um Unruhen zu stiften und den Westen an den Pranger zu stellen. Gerade die Zeitverzögerung macht jedoch deutlich, wie Karikaturen, wenn sie aus ihrem Kontext gerissen und neu gezeigt werden, ihre satirische Bedeutung verlieren und ernster werden, als es mögliche Zeichner eigentlich beabsichtigt haben.

Letzten Endes konnte an dem debattenfreudigen Abend nicht geklärt werden, welche Grenzen Satire einzuhalten hat oder wo ihre Machtkritik, gerade auch an religiösen Institutionen und Autoritäten, aufhört. Ist es immer so einfach, die Idee oder die Religion als Machtfaktor zu kritisieren, ohne die indiviuelle Religion zumindest in Frage zu stellen? Darf Satire alles und wenn ja, übernimmt jemand die Verantwortung für mögliche Folgen, wenn die Karikatur anders gesehen wird – und nicht als Satire?

Bei der fiktiven Redaktionskonferenz wurde kein einziges Druckverbot erteilt. Kritik bezog sich v. a. auf die Qualität der Satire. Selbst knappe Mehrheiten wurden noch durch Enthaltungen ergänzt. Nur die letzte Karikatur des Jylland-Posten war für einige zu viel des Guten.

Die Diskussionsatmosphäre und die Möglichkeit, dass sich Atheisten, Christen, Agnostiker, Humanisten, Muslime, Theologen, Islamwissenschaftler und Politiker austauschen und gegenseitig zuhören, sind der bleibende Gewinn des Abends. Auch wenn Religionen immer politisch zu sein scheinen, kommt es auf die Menschen an, die gegenseitigen Meinungen respektieren und Argumente wie auch Gefühle abzuwägen.

Das Gute, dieser Satz steht fest, ist nicht immer die Satire, die man lässt. (Frei nach Wilhelm Busch).

Text: Adrian Gillmann

Wir sind Charlie? Die Bilder zur Diskussionsveranstaltung

Galerie

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Bei einer Veranstaltung des AK Laizist/innen ist am Dienstagabend im Deutsch-Amerikanischen Institut über Karikaturen im Spannungsfeld zwischen Meinungs- und Kunstfreiheit einerseits sowie gesellschaftlicher Verantwortung und gesetzlichen Rahmenbedingungen andererseits diskutiert worden. Marc Mudrak führte als Moderator durch den Abend und konnte … Weiterlesen

Wir sind Charlie? Wie viel Satire verträgt Religion, wie viel Religion Satire?

Dienstag 10 Februar, 2015, 20 Uhr, DAI Heidelberg, Bibliothek

Gespräch und Bildanalyse

Der grauenvolle Terroranschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“  in Frankreich und  die Erignisse in dessen Umfeld haben die Diskussion um das Verhältnis von Religion und Satire neu entfacht. Viele Medien und Menschen solidarisierten sich weltweit mit der Redaktion des Satiremagazins. Oftmals erschien es, als ginge es dabei in erster Linie um die Meinungsfreiheit und weniger das Einverständnis oder gar die Auseinandersetzung mit den Inhalten der umstrittenen Zeitschrift. Diese hatte sich im Besonderen durch die Karikaturen von Religionen und ihrer laizistischen bis atheistischen Grundhaltung vervorgetan.

Gleich ob die Attentäter von Paris einen religiösen Hintergrund hatten oder nicht, das Satiremagazin selbst hatte sich schon seit Jahren zahlreiche Klagen und Kritik von Seiten religiöser Vertreter gefallen lassen müssen. Im Jahr 2011, kurz vor der Veröffentlichung einer islamkritischen Sonderausgabe im Zuge des Wahlsieges der Ehnada-Partei in Tunesien, erfolgten ein Hackerangriff auf die Webseite und ein Brandanschlag auf die Redaktionsräume von „Charlie Hebdo“.

Charlie im Visier

Während neue Diskussionen um den Paragrafen 166 und die Umstände der Beleidigung von Religion in juristischen und politischen Kreisen kursieren, bleibt die ästhetische und inhaltliche Diskussion oft auf der Strecke. Warum und zu welchem Zweck gibt es Satire? Wie weit darf sie gehen und steht ein Bekenntnis zu ihr in einem klaren Zusammenhang zur Presse- und Meinungsfreiheit? „Charlie Hebdo“ hatte offenbar besonders durch die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen religiöse Gefühle verletzt. Allerdings betraf dies nicht alle Muslime gleichermaßen und die TAZ berichtete sogar ausdrücklich, dass sich muslimische Verbände in Deutschland eher gelassen gaben.

Deutsche Muslime halten aus

Ist Satire damit Ansichtssache? Im Falle der Mohammed-Karikaturen oder des Fanta-Papstes der deutschen TITANIC hatten Satiriker eindeutig Symbolfiguren und –Personen der jeweiligen Religionsgemeinschaft aufs Korn genommen. Die religiöse Autorität wurde gezielt in Frage gestellt und die Grenze des guten Geschmacks bewusst überschritten. Man muss nicht gleich die Satire zum Menschenrecht erheben, wie es Tim Wolff es tut, aber mit Heiligem und Entsetzen Scherz zu treiben hat auch eine emanzipatorische Funktion. Dabei ist natürlich nicht alles Satire, nur weil diese alles darf. Die Beurteilung jedoch nur Juristen zu überlassen, erscheint schon als Realsatire.

Satire ist ein Menschenrecht, ein Grundrecht, und alle Menschen haben ein Recht darauf, verarscht zu werden.Tim Wolff, Titanic

Tim Wolff

Satire darf alles

Selbstverständlich gibt es religiöse Gefühle und die Verletzung derselben, aber es muss sich gefragt werden, ob im Medium des gezeichneten und klar als Satire ausgewiesenen Bildes nicht jeder religiöse Ernst ad absurdum geführt wird. Lässt sich ein Scherz nicht auch als Befreiung verstehen? Eine Befreiung, die gerade nicht darauf pocht die Religion selbst, sondern gerade das Verständnis von ihr und die allzu exklusive Lesart selbst einer spöttischen Distanz auszusetzen. Hier bleibt zudem die Wahlfreiheit, ob Jemand sich diese Bilder und Texte antut, oder nicht. Satire über Religionen zwingt sich gerade nicht auf, sie verbleibt als Möglichkeit.

Gerade diese Möglichkeit überschreitet natürlich Grenzen. Vielleicht sind die religiösen Gefühle weniger individueller als kollektiver Art, wenn sich Gemeinschaften in Gänze hierdurch als beleidigt empfinden. Wo jedoch verlaufen die Grenzen gerechtfertigter Kritik und wo darf Satire sich auch zurückhalten? Genauer: Wie viel Satire verträgt Religion und wie viel Religion Satire?

Wir möchten diesen Fragen am 10. Februar  nachgehen und gemeinsam mit Menschen aus der Kunstgeschichte sowie verschiedenen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften ausgesuchte Karikaturen analysieren. Dabei gilt es verschiedene Interpretationen zuzulassen und einmal dem nachzuspüren, was Satire bildlich ausdrückt und wie es sich um religiöse wie weltanschauliche Gefühle verhält.

 

 

Religion in Ex-Position – Wie säkular und politisch ist Religionswissenschaft?

21.10.14 um 18:00 Uhr, Triplex-Showroom, Grabengasse 14, Führung mit anschließender Diskussion

Das religionswissenschaftliche Institut in Heidelberg hat eine Ausstellung konzipiert, die über die Darstellung von Religion und die Wissenschaft über Religionen aufklären soll. „Religion in Ex-Position“ begründet dabei gleichermaßen eine praktische Maßnahme für Studierende wie Lehrende und Öffentlichkeitsarbeit für die Religionswissenschaft.

Ex-Position

Im Gegensatz zu religionsbezogener Theologie oder einzelnen Fachwissenschaften, möchte eine kulturwissenschaftliche Religionswissenschaft viele Perspektiven auf einen bunten Gegenstandsbereich entfalten. Religionskritik und die Bedeutung von Religionen für Kultur und Gesellschaft gehören ebenso dazu, wie auch gerade der Blick in andere Kulturen und die Analyse aktueller Phänomene.

Hierbei kann sie ein emanzipatorisches Moment von wie für Religion besitzen, wenn Ihre Beobachtungen zu einer Wahrnehmung von religiöser und weltanschaulicher Vielfalt, kritischen Aspekten und einer eigenen Beurteilungsfähigkeit führen. Nicht zuletzt sind gerade politische Debatten auf kulturelles Wissen sowie eine möglichst „neutrale“ Wissenschaft angewiesen. Ist damit die Religionswissenschaft selbst eine säkulare Größe? Übersetzt sie religiöse Positionen in kulturelles Wissen? Gibt es einen
„neutralen“ Blick auf Religionen und wenn ja, was bedeutet er (religions)politisch?

Der AK der Laizist*innen in der SPD lädt recht herzlich zu einer gemeinsamen Führung durch die Ausstellung mit anschließender Diskussion ein.

 

Die Gefahr des politischen Islam – Vortrag mit Lale Akgün

Freitag, 12. September 2014, 20 Uhr , DAI Heidelberg

In Kooperation mit den Säkularen Humanisten freut sich der AK der Heidelberger Laizist*innen auf einen weiteren Programmpunkt zur islamischen Religionskultur. Damit knüpfen wir an den Diskussionsabend zu „Islam – made in Germany“ an und möchten die Fragestellung vertiefen, ob eine Lobbypolitik zugunsten bestimmter islamischer Verbände und Strömungen zukunftsweisend ist?140912_Akguen

Podiumsdiskussion: Islam made in Germany

Grundsätzlich gilt es zwischen dem Islam als Religion, der jeweiligen Herkunftskultur und einer politischen wie sozialen Identität zu unterscheiden.

Oft wird der Eindruck vermittelt, dass in Deutschland zirka vier Millionen Muslime leben, die aus unterschiedlichen Ländern stammen. Umgekehrt ergibt sich jedoch die Tatsache, dass in Deutschland viele Menschen aus Ländern des Balkan, der Türkei, Tunesien, Marokko, den arabischen Staaten, Indoesien etc. leben, von denen viele Muslime sind. Unterschlagen wird durch diese Gleichsetzung von Religion und Herkunft, dass nicht alle eine religiöse Praxis und Bindung zu ihrer heimatlichen Religionskultur pflegen.

Es ist gut, dass Lale Akgün den politischen Islam betont, der von aggressiver Lobbyarbeit bis hin zu politischem Islamismus reichen kann und vor allem den Interessen bestimmter Organisationen und Verbände geschuldet ist.

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Islam laizistisch und liberal? Eindrücke vom Abend mit Luay Radhan

Am Montagabend haben die Laizist/innen in der SPD Heidelberg zur Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit dem Islamwissenschaftler Dr. Luay Radhan eingeladen. Im Bibliothekssaal des Deutsch-Amerikanischen Instituts Heidelberg diskutierten rund 30 Gäste mit Radhan über die Quellen und die möglichen Formen eines liberalen – und laizistischen – Islam im 21. Jahrhundert.

Ein vor der Veranstaltung entstandenes Interview wird bald veröffentlicht – online oder in Print.

Hier findet Ihr erste fotografische Eindrücke des spannenden Abends im DAI.

Islam Made in Germany: Anerkennungspolitik oder Staatsislam!?

Die Podiumsdiskussion am 05. Juni, 20 Uhr, DAI Heidelberg

PoDi_Islam_Web_Seite_1Schon August Bebel wusste über die „mohamedanisch-arabische Kulturperiode“ allerhand Gutes zu berichten. Sie stellte für ihn eine Brücke zwischen den antiken Kulturen Europas und der Neuzeit dar, denn der Orient galt, auch bedingt durch romantische und ideologische Motive, als Ursprungsort der Religionen und zugleich Bewahrungsort der griechischen Philosophie und des antiken Denkens. Ganz im Gegensatz zu aktuellen Vorstellungen über eine unaufgeklärte islamische Kultur  und Fundamentalismen im politischen Islam, war für ihn gerade ein „christliches Abendland“ von den Überlieferungen aus dem Osten inspiriert worden.

„So geschah es, daß schon frühzeitig und zu einer Zeit, wo das christliche Abendland noch in tiefster Barbarei lag und die wildeste Verfolgung gegen jeden ins Werk sezte, der da wagte, an den Kirchendogmen zu zweifeln, oder der Studien oblag, welche in ihren Erfolgen die Glaubenssätze anzutasten drohten, das mohammedanische Reich eines hohen Maßes von Geistesfreiheit und Kultur sich erfreute, und der Orient es war, der dem in finstere Glaubensnacht versunkenen Abendland die Leuchte der Erkenntnis überreichte.“

August Bebel, 1883

Lange nach Bebels Thesen existieren jedoch nicht erst seit dem 11. September 2001 gegenüber der größten Minderheitsreligion in Deutschland immer noch viele Vorbehalte. Unter dem Begriff der Islamophobie versammeln sich Fremdenangst, die Unwissenheit über islamische Religionskulturen und soziale Vorurteile. Schnelle Schlagzeilen machen islamistischen Fundamentalisten, mögliche Terroranschläge und radikalen Salafisten.

Religionspolitisch wird die Anerkennung der islamischen Religionsgemeinschaften als Teil der Gesellschaft ebenso vorangetrieben, wie Wissenschaft und Medien über ihre Religionskultur aufzuklären versuchen. Die zahlreichen Islamkonferenzen, die Einrichtung islamischer Zentren an deutschen Hochschulen wie Münster und Tübingen und die Anerkennung islamischen Religionsunterrichtes in mehreren Bundesländern, sprechen für einen Islam – Made in Germany.

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Vortrag: Grundprinzipien des islamischen Liberalismus

Montag 26. Mai 2014, 20 Uhr, DAI Bibliothek

Der politische Islam wird zumeist als fundamental und anti-laizistisch dargestellt. Für viele liberale Muslime ist jedoch die Trennung von Politik und Staat kein Widerspruch zu einem aufgeklärten Islam. Wir möchten im Gespräch mit Islamwissenschaftler Luay Radhan die Grenzen und Möglichkeiten des islamischen Liberalismus hinsichtlich der Laizität diskutieren.

Der Abend dient der Einführung in die Thematik um einen „Islam – made in Germany“, die wir gemeinsam mit dem DAI, den Säkularen Grünen und der Muslimischen Studierenden Gemeinde am 05. Juni veranstalten.

http://dai-heidelberg.de/de/veranstaltungen/islam-made-germany-7407/

„Wen wundert es, dass die meisten Menschen hierzulande den Islam nicht unbedingt mit dem Wort “liberal” in Verbindung bringen, wenn die Massenmedien diese Religion größtenteils mit negativen Etiketten belegen? In diesem Vortrag sollen dagegen die Eckpfeiler einer Strömung erläutert werden, die man als ‚islamischen Liberalismus‘ bezeichnen kann und die viel zu häufig übersehen wird, auch von MuslimInnen“

Luay Radhan studierte Anglistik, Politik- und Islamwissenschaft in Heidelberg und Umass Boston. Seine Mutter kommt aus Heidelberg und sein Vater aus Saudi-Arabien. Über den „Islamischen Laizismus“ promovierte er an der Universität Marburg.

http://luayradhan.blogspot.de/

Nicht-christliche Religionsgemeinschaften – Laizität XY ungelöst!?

Vortrag und Diskussion: 09. Juli, 20 Uhr, Griechische Taverne, Zwingerstr. 20

Nach drei Jahren Verhandlungen ist in Hessen – als erstem Flächenbundesland in Deutschland – 2012 ein islamischer Religionsunterricht eingeführt worden. Damit einher ging auch die rechtliche Anerkennung der DITIB und Ahmadiyya Gemeinde als Religionsgemeinschaften. Bundesweit ist dies eine absolute Ausnahme.Es scheint als würde die Politik hier der Realität deutlich hinterherhinken: Deutschland ist ein Einwanderungsland mit vielfältigen Menschen mit ebenso vielen Religionseinflüssen. Darauf war das deutsche Staatskirchenrecht nicht vorbereitet und tut sich im Hinblick auf den Islam immer noch schwer.

mosqueAus laizistischer Perspektive ist es aber unerlässlich, dass ein modernes Religionsverfassungsrecht geschaffen wird: Nicht-christliche Gemeinschaften müssen anerkannt werden. Es müssen allen Akteuren die gleichen religionspolitischen und im Grundgesetz verankerten Rechte gewährt werden. Dies wird vor allem dann möglich, wenn die Politik keine überlieferten Sozialformen wie „Kirche“ zum Maßstab für Überzeugungs- und Weltanschauungsgemeinschaften macht, sondern für die säkulare wie multireligiöse Gesellschaft neutrale Verhältnisse ermöglicht.

Eine Gemeinschaft mit besonderen Bezügen zum Islam scheint alles richtig gemacht zu haben: die Alevitische Gemeinde (AABF). Sie ist in fast allen westdeutschen Bundesländern anerkannt und kann sich berechtigte Hoffnungen auf den Rechtstitel der Körperschaft des öffentlichen Rechts machen. Was die AABF alles richtig machen musste und wo die Knackpunkte der staatlichen Anerkennung liegen, möchten wir gerne nach einer thematischen Einführung gemeinsam diskutieren.