Stellungnahme zum Beschluss der Jusos BaWü: Laizismus verwirklichen!

Der AK Laizist*innen in der SPD Heidelberg begrüßt den Beschluss der Juso-LDK 2014 zur Trennung von Kirche und Staat. Wir sehen in ihm einen ersten Schritt, um eine zukunftsfähige Religionspolitik jenseits von Privilegierung und Lobbypolitik zu ermöglichen.
„Mehr Laizität wagen“, bedeutet für uns nun auf der Grundlage dieses Beschlusses für eine Umsetzung laizistischer Ziele in den anderen Parteigliederungen und auf den anderen Parteiebenen Sorge zu tragen.
1. Ein vermeintlicher Gegensatz zwischen einer vielfältiger gewordenen religiösen Landschaft, die auch freiere Formen und spirituelle Ansätze berücksichtigt, und Religionsgemeinschaften besteht aus unserer Sicht nicht. Ein „trotz dieser Entwicklungen“ ist für uns ein „gerade durch diese Entwicklungen“, denn Religionen und Weltanschauungen gewinnen durch diese Pluralisierung an Bedeutung.
2.       Es muss eine neue Debatte über das Verhältnis von öffentlich/privat geben, denn nicht jede Öffentlichkeit ist zugleich eine staatliche oder politische. Dies betrifft gerade das Tragen von religiös-weltanschaulichen Symbolen. Grenzbereiche von individueller Religionsfreiheit und staatlich-politische Sphären sind voneinander zu unterscheiden. 
3.       Wir fordern einen kulturwissenschaftlichen Religionskunde- und Ethikunterricht als staatliches Bildungsangebot für alle. Freiwilliger und ergänzender Religionsunterricht kann und darf gerne privat erfolgen.
5.       Wir begrüßen im besonderen die Punkte vier bis neun, welche finanziellen Pivilegien, dem „dritten Weg“ hinsichtlich des kirchlichen Arbeitsrechtes, religiösen Monopolstellungen und einer Einschränkung individueller Freiheitsrechte an Feiertagen eine klare Absage erteilen. 
6.       Die SPD hat als soziale Volkspartei religiös wie weltanschaulich „neutral“ zu bleiben, damit sie ihren Zielen verpflichtet bleibt. Ob religiöse Gruppen und Gemeinschaften „starke Partner“ sind, muss sich immer anhand aktueller Positionen und Fragestellungen bewähren. Es darf weder einen religionslobbyistischen noch einen antireligösen Reflex innerhalb der SPD geben.
7.       Die Anerkennung eines laizistischen Arbeitskreises in der SPD, der sich einer säkularen, multireligiösen und pluralen Gesellschaft gegenüber verpflichtet fühlt, würde diese politische Beschlusslage auch organisatorisch befördern.
Wir unterstützen die Beschlusslage der Jusos und stehen gerne weiterhin als Vermittler und Ansprechpartner*innen zur Vefügung, damit diese Programmatik zur Grundlage einer aktiven wie kritischen Religions- und Weltanschauungspolitik der SPD werden kann. 
„Die Zukunft ist offen!“ (Hamburger Programm)

 

Gebt Bewegungsfreiheit! 7 Gründe gegen religiöse Feiertagsgesetzgebungen

Die Laizistinnen und Laizisten in der SPD Heidelberg fordern die Änderung der Feiertagsgesetzgebung in Baden-Württemberg. Wir machen uns stark, im Geist von Toleranz und Aufklärung, für die Abschaffung religiöser Verbote und Einschränkungen an bestimmten Feiertagen, wie etwa das Tanzverbot an Karfreitag.
Sieben Gründe sprechen für eine Reform der Feiertagsgesetzgebung:
  1. In Baden-Württemberg leben immer mehr konfessionsfreie Menschen sowie Bürgerinnen und Bürger mit nicht-christlichem Hintergrund. Auch unter den Kirchenmitgliedern ist die Zahl der Gläubigen gering, was die geringen Gottesdienstbesuche belegen. Die Verbote sind also ein Relikt des Staatskirchentums der Vormoderne.
  2. In einer Republik kann keine religiöse Gruppe anderen Menschen ihre Gebote aufzwingen.
  3. Die aktuelle Regel privilegiert einseitig die christlichen Kirchen. Wir fordern Rechtsgleichheit.
  4. Generelle Tanzverbote sprechen für eine bestimmte theologische Auffassung, die Unterhaltung, Freude und Geselligkeit für unvereinbar mit Gedenken und Trauer erklärt. Eine solche Deutung religiöser Erfahrung ist dogmatisch.
  5. In anderen Bundesländern und einer großen Zahl europäischer Staaten existieren religiös motivierte Ver- und Gebote an Feiertagen nicht. Das verursacht keine Probleme.
  6. Die geltenden Gesetze schützen die freie Religionsausübung ausreichend. Sonderprivilegien oder Schutzzonen für einzelne Religionen sind nicht nötig.
  7. Die Bürgerinnen und Bürger sollen auch an diesen Tagen ihr soziales und privates Leben frei gestalten können – ob mit oder ohne Christentum.

Wir fordern die Landesregierung auf, in diesem Sinne bei der anstehenden Neuregelung der Feiertagsgesetzgebung tätig zu werden.

Stellungnahme mit den Jusos für bunte Bildungspolitik und gegen Homphobie

Der AK Gender der Jusos Heidelberg und die sozialdemokratischen Laizistinnen in der SPD Heidelberg widersprechen der religions-ideologischen und homophoben Stimmungsmache gegen den neuen Bildungsplan der grün-roten Landesregierung. Ein Bildungsaspekt von Aufklärung und Darstellung sexueller Vielfalt und „bunter“ Lebensverhältnisse ist noch lange keine „Ideologie des Regenbogens“.

https://www.openpetition.de/petition/online/zukunft-verantwortung-lernen-kein-bildungsplan-2015-unter-der-ideologie-des-regenbogens

Bedenken gegenüber einer drohenden Erziehung zu bestimmten sexuellen Identitäten lassen außer acht, dass Sexualität nicht einfach anerzogen werden kann. Diverse diskriminierende Versuche dies psychologisch und pädagogisch anzugehen, sind bis dato ebenso gescheitert, wie eine wissenschaftliche Legitimation von religiös-ideologischen Ehe- oder Beziehungsidealen.

Eine Petition für das Vorhaben im neuen Bildungsplan mehr für die sexuelle Aufklärung zu tun und Wissen über sexuelle Identitätsbildung pädagogisch zu vermitteln, hat bereits in kurzer Zeit über die Hälfte der Stimmen der Petition gegen den Bildungsplan erreicht. Tendenz steigend!

https://www.openpetition.de/petition/online/gegenpetition-zu-kein-bildungsplan-2015-unter-der-ideologie-des-regenbogens

Komplette Stellungnahme: Jusos HD_Stellungnahme idpet_17012014

Die Analyse der Äußerungen der Landeskirchen in Baden-Württemberg und ein Kommentar zur „heiligen Familie“ gibt es auf dem laizistischen Landesblog:

http://laizistenspdbw.wordpress.com/2014/01/20/landeskirchen-widersprechen

http://laizistenspdbw.wordpress.com/2014/01/20/die-heilige-familie

Für engagierte Gleichstellungspolitik statt religiös-ideologischer Kritik

Stellungnahme zur Kritik des AK Christinnen/Christen in der SPD Heidelberg/Rhein Neckar an dem Antrag der Jusos zum Landesparteitag 2013 in Reutlingen „Konservative Familienbilder aufbrechen – Moderne Familienpolitik gestalten!“

http://www.christen.bawue.spd.de/index.php?nr=73151&menu=1

Die Kritik des AK Christinnen/Christen am Antrag der Jusos problematisiert auf ungerechtfertigte Weise die Forderung nach gesetzlicher und rechtlicher Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Sie zeigt auf, dass die Aktiven eine Privilegierung bestimmter religiös tradierter Familien- und Rollenbilder vertreten und sich auf ein „christliches Menschenbild“ berufen, das eher einer religiös-ideologischen Vereinfachung entspringt. Schließlich lassen sich in der europäischen Religionsgeschichte weder ein einheitliches Christentum noch das eine christliche Menschenbild feststellen.

Religionswissenschaft – Bildung zur Freiheit!?

Am Montag den 22. April haben wir uns im Rahmen der Reihe „Religion und Bildung“ mit dem Religionswissenschaftler Dr. Sebastian Emling getroffen und über bildungspolitische Ansätze gesprochen. Er machte deutlich, dass eine kulturwissenschaftliche Religionswissenschaft als Bezugsfach für einen kulturellen Unterricht über Religionen und Weltanschauungen wichtige Impulse setzen kann.

Das gegenüber der Theologie noch recht junge Fach blickt immerhin, ähnlich wie die akademische Psychologie, schon auf eine gut 140-jährige Geschichte zurück. Sie ist innerhalb der Kolonialgeschichte des 19. Jahrhunderts entstanden und hat als komparatistische und philologische Religionsforschung mit christozentrischen Kategorisierungen um vergleichbare Phänomene in den Religionen der Völker ihren Anfang genommen. Begriffe wie „Engel und Dämonen“ sowie Göttervorstellungen sind
Beispiele solcher Kategorien abendländischer Religonsgeschichte.

Seit über zwanzig Jahren und dem „cultural turn“ in den Wissenschaften ist sie sich jedoch ihrer eigenen Disziplingeschichte bewusster geworden und hat ihren Charakter als weltanschaulich neutrales und selbstkritisches Fach weiterentwickelt.

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Der von Emling als „Größenwahn“ bezeichnete und doch realisierbar eingestufte Anspruch ist es alle Traditionen und Symbolsysteme auf religiöse Konstellationen hin untersuchen zu können.

Für laizistische Politik erscheint hierbei das Reflexionsvermögen über Religion jenseits von konfessionellen Konzepten interessant. Die Religionswissenschaft kann einen wichtigen Beitrag leisten, wenn Religionen zwar als Identitätsbildend betrachtet werden können, jedoch nicht immer identitätsbezogen sein müssen. Dem Vorwurf einer vermeintlichen Gegenstandslosigkeit sowie einem „moralischen Relativismus“ eines religionswissenschaftlichen Religionsunterrichts begegnet Emling mit der Befähigung zu analytischen, beschreibenden und kontextbezogenen Denken. Als ein die Umwelt und das Umfeld betrachtendes Arsenal von Beschreibungskategorien bildet Kulturwissenschaft somit ein Instrumentarium heraus, das die gedankliche und wahrnehmende Beobachterposition stärkt.

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Weg mit dem Tanzverbot am Karfreitag!

Stellungnahme des AK Laizist/innen in der SPD Heidelberg zur Durchsetzung des generellen Tanzverbots beziehungsweise des Feiertagsgesetz (FTG)

Die RNZ berichtete am 01. März 2013 ausführlich über die gesetzeskonforme Haltung der beiden christlichen Religionsgemeinschaften FTG und den damit einhergehenden „Tanzverboten“. Wir LaizistInnen stehen generellen Tanzverboten durch Rückgriffe auf vermeintlich religiöse Traditionen ablehnend gegenüber. Sie bedeuten eine Einschränkung der freien Entfaltung der Persönlichkeit sowie der Religionsfreiheit und privilegieren innerhalb des öffentlichen Raumes einseitig religiös begründete Verhaltensnormen.

Wir sind über die Forderungen nach einem härteren Durchgreifen sowie einer restriktiven Auslegung des FTG seitens der Kirchenvertreterinnen besonders bestürzt. Diese werden indirekt deutlich, wenn die kirchlichen Vertreter auf der einen Seite von „Zufriedenheit“ sprechen, auf der anderen Seite jedoch kritische Nachfragen nach dem Zeitgemäßen solcher Gesetze formaljuristisch abwehren und eigenen Interessen durch die Berufung auf Gesetze Nachdruck verleihen.

Toleranz statt religiöser Verbote!

Toleranz statt religiöser Verbote!

„Es gibt aber klar formulierte rechtliche Regelungen zum Tanzverbot. Insofern haben wir Kirchen gar keine besonderen Auflagen gemacht. […] Das spielt keine Rolle. Geltende Gesetze sollten eingehalten werden.“ (Dekanin Schwöbel-Hug, RNZ 01.03.2013, S.5)

Wir halten eine solche normative Erwartungshaltung der christlichen Religionsgemeinschaften und die gleichzeitige Infragestellung des Ermessensspielraumes der städtischen Behörden für fragwürdig. Die Kirchen beanspruchen damit nicht allein ein Gestaltungsmonopol für die kulturellen Rahmenbedingungen von bestimmten Feiertagen, sondern bestimmen indirekt über die
Freizeitgestaltung aller Bürgerinnen, auch derjenigen, die sich als liberal religiöse und
konfessionsfreie Menschen, Humanistinnen und Humanisten, Atheistinnen und Atheisten begreifen.

Wir möchten uns dezidiert gegen religiösen Lobbyismus, gerade auch gegenüber öffentlichen Ämtern und Behörden, aussprechen. Wir setzen uns für eine Reform des Feiertagsgesetzes in Baden-Württemberg ein. Bis zu dieser Reform sind wir dafür, dass ein einvernehmlicher Dialog zwischen Ämtern, Behörden, Veranstaltungsleitern, säkularen Organisationen und Interessensvertretern der Kirchen geführt wird.
So viel Gesetz wie nötig, so viel Toleranz wie möglich!

Antrag Reform FTG und Abschaffung des generellen Tanzverbotes

Antrag Tanzverbote und FTG in Heidelberg

Monatstreffen mit Lothar Binding – Parforceritt durch den Laizismus

Im Gespräch mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Lothar Binding

Im Gespräch mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Lothar Binding

Am Montag, 17.12.2012, trafen wir uns mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Lothar Binding. Fast zwei Stunden diskutierten wir angeregt. Bei dem Parforceritt durch die verschiedenste Themen des politischen Laizismus zeigten sich viele, auch grundsätzliche Übereinstimmungen

Wir diskutierten einen Antrag von Marc Mudrak zur ersatzlosen Streichung des „Gotteslästerparagraphen“ im Strafgesetzbuch (§166). Dieser stellt die Beleidigung von religiösen Bekenntnissen, Vereinigungen und Funktionären unter Strafe, wenn daraus die öffentliche Ruhe gestört werden könnte. Das sei jedoch eine in einem säkularen Staat unzulässige Privilegierung von Religion und Religionsgemeinschaften. Stattdessen sollten die für alle anderen Personen und Institutionen geltenden gesetzlichen Bestimmungen bezüglich „Beleidigung“ ausreichen. Auch für die Störung der öffentlichen Ruhe gibt es bereits ausreichende Regelungen. Der §166 werde von Kirchen und Religionsgemeinschaften als Kampfinstrument zur Abwehr von Kritik, Abweichung und Ironie instrumentalisiert. Er habe in einer offenen Gesellschaft keinen Platz mehr und verstoße gegen die Meinungs- und Kunstfreiheit.

In der Diskussion.

In der Diskussion.

Die Laizist/innen diskutierten mit Lothar Binding auch über das Thema Beschneidung. Der SPD-Abgeordnete hatte sich der Gesetzesvorlage der Regierung – die Beschneidung bei Jungen fast ohne Bedingungen erlaubt und Religionsfreiheit somit über zahlreiche andere, wichtige Grundrechte stellt – nicht zugestimmt. Er unterstütze den letztlich gescheiterten Alternativantrag.

Zudem wurde Adrian Gillmann zum kommissarischen Sprecher des Laizisten-AKs gewählt. Marc Mudrak wird für ein Jahr nach Paris ziehen und nur unregelmäßig in Heidelberg sein. Vor der Diskussion mit Lothar Binding besprachen die Laizist/innen auch das Programm für das erste Halbjahr 2013. Dafür wurden weiter Kooperationen mit laizistischen/säkularen Verbänden und Gruppen angeregt. Außerdem ist eine Vortragsreihe zum Laizismus in anderen Ländern Europas in Planung.

Warum wir Laizismus und einen AK dafür brauchen

Die Vorgeschichte

Auf der vergangenen Mitgliederkonferenz der SPD Heidelberg hat sich Genosse Wilfried Schollenberger erneut als vehementer AK-Kritiker positioniert. Bei der Debatte zum Antrag „Kulturwissenschaftlicher Religionsunterricht“ des AK LaizistInnen sagte er zwar nichts zum Thema, dafür aber etwas gegen die Laizistengruppe. Man brauche diese nicht, denn da könne jeder einen AK aufmachen – etwa einen für heterosexuelle Männe.

Tags darauf entschuldigte sich Schollenberger per E-Mail für diesen Sexismus per E-Mail bei unserem AK-Mitglied und Laizisten-Landessprecher Adrian Gillmann. Schollenberger blieb aber bei seiner Grundsatzkritik. Er sieht kein politisches Programm, das Atheisten und Laizisten haben können. Er will nicht, dass der AK die Interessen von Konfessionsfreien in die SPD einbringt. Und er ist gegen eine Reform des Religionsunterrichts, „weil ein glaubender Mensch seinen Glauben weder relativieren noch in Frage stellen muss“ (Zitat).

Adrian Gillmann hat darauf geantwortet. Per E-Mail an Wilfried Schollenberger zeigt er, warum wir in Deutschland und der SPD mehr Laizismus brauchen, warum AtheistInnen und Konfessionsfreie eine politische Vertretung brauchen und warum wir der Religions(gemeinschaften)-Kritik bedürfen.

 

Hier die wichtigen Stellen der Entgegnung von Adrian Gillmann (16.10.2012)

Lieber Wilfried,

Danke für Deine Rückmeldung. Nein, mit sexuellen Orientierungen hatte meine Enttäuschung rein gar nichts zu tun, sondern damit, dass eine Debatte über einen Antrag des AK „LaizistInnen“ dafür verwendet wird den AK selbst zu diffamieren.

Meinetwegen eine nicht verbotene Art Stimmung auf einer Mitgliederversammlung zu machen, aber ich fand es weder der Sache angemessen noch fair. Viel eher eine Art verdeckte Trotzreaktion, die der generellen Arbeit unseres AK gilt.

Hier geben ich Dir im Namen unserer AK-GenossInnen zu verstehen, dass wir unsereArbeit nur umso gewissenhafter und vehementer fortführen werden sowie uns von dererlei Polemik in keinster Weise beeindruckt fühlen.

Laizismus ist in Frankreich seit mehr als 100 Jahren Staatsraison.

Zuerst einmal ist festzuhalten, dass AtheistInnen oder besser gesagt den politischen Atheismus mehr verbindet als bloß eine gemeinsame Negation von Religion, denn gerade der politische Atheismus, der als ideologischer Atheismus des 19. Jahrhunderts ein festes Standbein in der Arbeiterbewegung hatte, verband viele Gruppen, Menschen und stand für Mobilisierung gegen einen allzu starken Einfluss der Kirchen gegenüber dem Stand sowie der Religion gegenüber dem Menschen.

Der AK LaizistInnen vertritt zudem, hier bitte ich Dich einmal genau unser Programm und Selbstverständnis zu Lesen sowie Dich zu informieren, anstatt Stammtischparolen zu vertreten, nicht allein die Interessen der Konfessionslosen, von Dir als Atheisten vereinfacht und unreflektiert dargestellt, sondern ebenso die der Agnostiker, Humanisten, kritischen Religiösen und Säkularen. Im Spannungsfeld dieser Gruppen vereinigt uns nicht einfach ein gruppenspezifisches Merkmal, denn dann gebe ich Dir recht, könnten ebenso die Bier- wie die Weintrinker einen AK einfordern, sondern politische Ziele und eine formulierbare Programmatik.

Deine persönliche Meinung, dass eine Interessensvertretung mehr als zwei positive Merkmale braucht ist weder rational noch empirisch haltbar, denn Interessen können ebenfalls singulär oder rein negativ sein. Hier ist es politisch eine Frage der Organisierung von Mehrheiten oder Gruppen sowie der Überzeugungskraft von Zielen geschuldet, ob eine Interessensvertretung besteht.

Nichtsdestotrotz erfüllen wir sogar Deine Prämissen, denn wir haben sowohl deutliche Zielgruppen als auch verbindliche wie positive Ziele. Diese sind abstrakt formuliert die
größtmögliche Trennung sowie Neutralität des Staates gegenüber Religionen sowie Religions- und Weltanschauunggemeinschaften und deren organisierten Formen wie z.B. Kirchen und zudem die de jure und de facto Verwirklichung der Religionsfreiheit. Hier gibt es im Konkreten Nachholbedarf, wenn Religionsgemeinschaften in ihren
Praktiken Grundrechte berühren bis in Frage stellen, das Arbeitsrecht und die Arbeitsbedingungen in religiösen Tendenzbetrieben eingeschränkt werden und nicht zuletzt bildungspolitische Kompetenz unkritisch wie unhinterfragt den Religionsgemeinschaften zugeschrieben wird.

Gerade neuere Debatten, die oft unsachlich und polemisiert geführt werden, zu Themen wie Islamophobie, Beschneidung, Blasphemie-Gesetze und ähnlichem erfordern eine kritische Religionspolitik, eine ernsthafte Debatte sowie auch den Ruf nach der Begründung politischen Handelns jenseits von Kirchenlobbyismus.

Was eine integrative Religionskunde anbelangt steht deutlich in der Begründung unseres Antrages. Wir sehen in der schulischen wie staatlichen Ausbildung einen klaren, gesellschaftspolitischen Bildungsauftrag, der sich auf ein Allgemeinwissen, eine historische, soziale und vergleichende Kompetenz im Umgang mit religiösen und weltanschaulichen Symbolsystemen beziehen sollte. Junge Menschen in pluralistischen Gesellschaften, in denen gerade der argumentative und verstehende Umgang mit Weltsichten wie Überzeugungen nicht mehr durch homogene Sozialisationen geleistet wird, brauchen hier eine vermittelnde, sachliche wie ansprechende Religionskunde.

Wir stellen übrigens Religionen und Weltanschauungen nicht „auf eine Stufe“, denn oftmals haftet gerade den „Weltanschauungen“ ein negativer Makel an, der davon herrührt, dass gerade Religionen, die historisch konstruiert und sozial gewachsen sich entsprechend dominant durchgesetzt haben, diese als minderwertiger diskreditieren. Was als „religiöse Erfahrung“ oft ein tiefes Gefühl oder verbindlicheres Empfinden den Religionen phänomenologisch zugeschrieben wird, ist letztlich weder wirklich kommunizierbar noch in dem Sinne „vorhanden“.

Forschungen der Religionswissenschaft, der Religionssoziologie sowie der Religionspsychologie zeigen gerade, dass religiöse Gefühle nicht allein durch vermeintlich religiöse Sozialisationen allein, oder gar klassische Gegenstände vermittelt werden, sondern gerade in neueren Formen der religiösen Lebensäußerungen sowie den spirituellen Diskursen oder Patchwork-Religionen auf keine klaren Definitionen hinweisen.

Natürlich können diese sozialen Veränderungen ebenso ignoriert werden wie die Forschungen dazu, aber letzten Endes sollte gerade mit Blick auf die gesellschaftlichen Herausforderungen wie den demographischen, den sozialen, den lokalen und den identitätsbezogenen Wandel nicht mehr von einfach „Glaubenden“ oder „Gottgefälligen“ Menschen die Rede sein. Hier spricht der Krypto-Theologe und wohl eine Vereinfachung des religiösen Lebens und der religiösen Vielfalt auf christozentrische, d.h. an christlich-abendländischen Vor-Urteilen orientiertes Denken aus Dir. Dieses aus unserer Sicht einfache und in dem Sinne auch respektlose Denken teile ich und viele LaizistInnen gerade nicht!

Wir respektieren das vielfältige und pluralistische religiöse Leben, möchten es in den Schranken seiner berechtigten, organisierten und privaten Legitimität fördern, aber eben auch nur dort und vor allem jenseits der politischen Vor(urteils)nahme sowie der Verwechslung von Religion und Politik sowie Politik und Religion verstanden wissen. Unser Staat hat neutral und säkular zu sein!

[…]

Mit freundlichen Grüßen,

Adrian Gillmann

Antrag abgelehnt – trotzdem Achtungserfolg

Bei der Kreismitgliederversammlung der SPD Heidelberg haben die Mitglieder den Antrag des AK LaizistInnen für den Fahrplan zur kulturwissenschaftlichen Religionskunde in Baden-Württemberg abgelehnt. Nach einer emotionalen und mitunter

Adrian Gillmann stellt den Antrag vor.

auch persönlichen Debatte lehnte spät am Abend eine klare Mehrheit den Antrag in einer öffentlichen Abstimmung ab. Doch trotz der teils harten Angriffe haben wir eine ehrenwerte Anzahl von Unterstützerinnen und Unterstüzern bei der Abstimmung verzeichnet. Auch eine beachtliche Zahl an Enthaltungen zeigt, dass viel laizistisches Potential in der SPD Heidelberg steckt. Adrian Gillmann stellte den Antrag vor, der nun erstmal in die weitere politische Arbeit der sozialdemokratischen LaizistInnen beim Landestreffen Baden-Württemberg am kommenden Sonntag (21.10.) in Heidelberg einfließt. Wir machen weiter! Für’s erste mal waren wir letztlich sehr gut!

Zuvor hatte AK-Sprecher Marc Mudrak den Mitgliedern im gut gefüllten Gemeindehaus in HD-Pfaffengrund den Arbeitskreis mit seinen Köpfen, Zielen und seiner inhaltlichen Arbeit vorgestellt. Der Vortrag wurde mit nachdrücklichem Beifall aufgenommen.

Unser Plan: Der Weg zur kulturwissenschaftlichen Religionskunde in Baden-Württemberg

Der AK LaizistInnen hat einen detaillierten Plan ausgearbeitet und verabschiedet, wie an den Schulen in Baden-Württemberg die Einführung einer flächendeckenden kulturwissenschaftlichen Religionskunde aussehen könnte. Der Plan fließt nun unmittelbar in den politischen Prozess der regionalen SPD und deutschlandweit in die Arbeit der sozialdemokratischen LaizistInnen ein. Mittelfristig soll dabei der veraltete konfessionelle Religionsunterricht ersetzt werden.

 

Forderungen

  1. Das Bildungsministerium wird dazu aufgefordert, in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftsministerium binnen eines Jahres eine Fachtagung „kulturwissenschaftliche Religionskunde“ zu initiieren. In  Zusammenarbeit mit pädagogischen Fachleuten, VertreterInnen kulturwissenschaftlicher Bezugswissenschaften sowie gesellschaftlichen Bezugsgruppen – neben den Religionsgemeinschaften  insbesondere auch säkularen, humanistischen und laizistischen Gruppen – sollen Erfahrungen aus anderen Bundesländern ausgetauscht sowie eine Grundsatzerklärung erstellt werden, welche die entscheidenden Prinzipien eines solchen Lehrfaches festhält.
  2. Auf der Grundlage des informativen Austausches der Fachtagung sowie der Grundsatzerklärung soll eine Arbeitsgruppe unter dem gleichnamigen Arbeitstitel eingerichtet werden, die als interministerielle Fachgruppe die Einrichtung eines solchen Faches überprüft und vorbereitet, den Kontakt zwischen und zu den Bezugswissenschaften aufrecht erhält sowie ein fachdidaktische Konzept erarbeitet. Gleichzeitig wird ein Entwurf für einen Erweiterungsstudiengang „Religion und Kultur“ des Lehramtsstudiums entworfen. Eine Ausweitung der Zusammenarbeit, zum Beispiel mit dem Integrationsministerium, ist  erwünscht.
  3. Die Ergebnisse derArbeitsgruppe werden auf einer Konferenz mit VertreterInnen der Regierungsparteien besprochen, der interessierten Öffentlichkeit präsentiert und ein Leitantrag für einen Gesetzesentwurf zur Einführung einer kulturwissenschaftlichen, integrativen Religionskunde für Baden-Württemberg erstellt.

Begründung

In einer demokratischen, rechtsstaatlichen, freiheitlichen und vor allem pluralistischen Gesellschaft, in welcher verschiedene Religionen und Weltanschauungen zu einem vielfältigen Angebot an Wert- und Weltbildern, einem breiten Horizont an identitätsstiftenden wie sinngebenden Symbolsystemen beitragen, braucht es eine kulturwissenschaftliche Allgemeinbildung über dieselben.

Die Schlüsselherausforderungen moderner Gesellschaften hinsichtlich komplexer Lebenswelten, der Probleme um natürliche Ressourcen sowie technische und soziale Innovationen werden durch Pluralisierungstendenzen inter- wie transkultureller Art der Gesellschaften selbst sowie deren globaler Vernetzung in verschiedenen Bereichen wie Wirtschaft, Recht, Politik und Kultur(en) bestimmt. Sie verlangen sowohl nach einem Wissen wie Verstehen als auch einem Können hinsichtlich kultureller Kompetenz gegenüber Religionen und Weltanschauungen.

Nicht allein die Potenziale von friedlichem Zusammenleben sowie gewaltsamer Provokationen multi- und transkultureller Gesellschaften, die oft im Spannungsfeld verschiedener Kommunikations-, Symbol- und Deutungshintergründe genutzt werden, verweisen auf einen nötigen Lehr- wie Lernprozess der übergreifenden Meinungsbildung und Verständigung. Vielmehr sind es auch die Beobachtungen, dass Kooperation wie Konkurrenz verschiedener gesellschaftlicher Gruppen und Akteure in Politik und Gesellschaft ein kulturelles, übergreifendes Wissen und deren Umsetzung für den mündigen, handlungsfähigen sowie kritischen Menschen voraussetzen.

Konfessionelle und interreligiöse Modelle eines „religiösen Unterrichtes“, wozu auch eine normative Staatsbürgerkunde hinzugezählt werden soll, sind inhaltlich an religiöse Traditionen gebunden oder strukturell an bestimmte Religionsgemeinschaften gekoppelt. Diese Modelle genügen den Anforderungen moderner Gesellschaften nur noch unzureichend, können nur noch als komplementäre oder dem Einzelnen frei zu wählende Angebote angesehen werden, da sie inhaltlich oder organisatorisch normative Prämisse voraussetzen, die weder einem Wertepluralismus als Vermittlung kultureller Kompetenz noch einem kulturellen Wissen hinsichtlich Inter- wie Transkulturalität Rechnung tragen können.

Modelle eines staatlichen Ethikunterrichtes oder eines philosophischen Ethikunterrichtes sind inhaltlich wie thematisch innerhalb einer kulturwissenschaftlichen Religionskunde in Form der Bezugswissenschaften Philosophie und Ethik zu berücksichtigen, dürfen jedoch nicht Strukturvorgabe sein. Philosophische Begründungsmuster sind selbst historische wie kulturelle Überlieferungen und nicht einfach Sachinhalte. Der Anspruch einer identitätsstiftenden sowie gezielten Werteerziehung ist ein Bildungsidealismus, der sowohl die pragmatischen Möglichkeiten schulischer Bildung als auch die Steuerung und Vorgabe normativer Verhaltens- wie Orientierungsmuster überschätzt.

Ziele einer kulturwissenschaftlichen orientierten Religionskunde sind es 1) primär eine kulturelle Kompetenz hinsichtlich der kritischen Reflexion und Argumentation, eines kulturellen Wissens von Religionen, Weltanschauungen und Kulturen zu ermöglichen. Die geschichtlichen, sozialen und systematischen Hintergründe von Religionen sowie Kulturen sollen „kundig gemacht“ und für das „Kundig machen“ erschlossen werden. 2) Sekundär wird somit der mündige und kritische Mensch befähigt in sozialen wie interkulturellen Situationen, seiner eigenen Lebensführung sowie möglicher Entscheidungsorientierung Position zu beziehen.

Eine kulturwissenschaftliche Religionskunde versteht sich deshalb als übergreifende Allgemeinbildung hinsichtlich religiöser und kultureller Symbolsysteme, von Inhalten und Strukturen, damit die „Hilfe zur Selbsthilfe“ gemäß eines sozialen Bildungsauftrages gewährleitet wird. Statt einer Trennung nach religiösen Zugehörigkeiten befördert ein religionskundlicher Unterricht die Integration und Toleranz gegenüber und zwischen anderen Religionen wie Kulturen.

Damit bescheidet sich die Forderung nach einer kulturwissenschaftlichen, integrativen Religions- und Kulturkunde gegenüber den Versuchen der (Re)Konstruktion normativer und homogenisierender Kulturstaatlichkeit ebenso wie den Ansprüchen einer idealistischen Staats- oder Wertebürgerkunde.

In den Grenzen seiner Möglichkeiten fördert Religionskundeunterricht das Zusammenleben der Kulturen, wendet sich gegen Extemismus und Fundamentalismus und sorgt für eine Allgemeinbildung, ein kulturelles Wissen. Dieses Wissen ermöglicht kritische und sachliche Diskussionen über Normen, Ethik soowie Lebensorientierung junger Menschen innerhalb pluralistischer wie global vernetzter Gesellschaften.