Wo auf der Welt wird unser Blog gelesen?

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Wo auf der Welt wird unser Blog gelesen?

Ein bisschen Statistik: die Zugriffszahlen auf dieses Blog steigen mit jedem Monat. Die Graphik zeigt, wo auf der Welt wie häufig auf laizistenspdhd zugegriffen wird.

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Publikumsmagnet tunesischer Laizismus

30 Teilnehmer/innen drängten sich am Montag, 4. März, im großen Raum des Bergbahngriechen. Die Heidelberger SPD-Laizist/innen hatten zum öffentlichen Vortrags- und Diskussionsabend über die Lage des Laizismus in Tunesien nach der Revolution 2010/11 eingeladen. Als Referenten waren Raouf Ghali und Sonia Badis von der deutschen Sektion der linken Oppositionsvereinigung „Front Populaire“ sowie die Aktivistin Halima Miled Tazaghdenti gekommen.tunesieng

Nach der kurzen Einführung durch AK-Sprecher Adrian Gillmann („Es geht auch darum, von Tunesien zu lernen“) begann Halima ihren Vortrag. Sie schilderte den Aufbrauch aus der Diktatur unter Ben Ali, wo sowohl Freiheit als auch Religion, Links und Rechts verboten waren. Bei ihrem Aufenthalt in Deutschland habe sie die freie Nutzung von Internet und anderen Medien kennen gelernt und wollte die gewonnen Informationen nach Tunesien weitergeben. Dann brach die Revolution aus, bei der sich Halima  engagierte. Sie war auch bei den Aufständen in Lybien dabei. „Tunesien ist kein säkularer Staat, die Religion hat im Alltag eine große Bedeutung“, sagt sie. Dennoch gebe es Chancen für Laizismus in der Staatsorganisation und der Verfassung, so lange er nicht anti-religiös sei. Es müsse um die Trennung von Staat und Religion gehen. Gerade von rechts-islamistischer Seite werde in der öffentlichen Debatte Laizismus mit Atheismus gleichgesetzt – ein Todschlagargument in der tunesischen Gesellschaft. Bildung, Aufklärung und Erklärungen seien somit wichtige Grundlagen, um Laizismus in der Bevölkerung zu einer breiteren Akzeptanz zu verhelfen. Parteien, die vor den ersten freien Wahlen mit laizistischen Programmpunkten geworben hatten, vergaßen diese schnell wieder, als sie an die Regierung kamen.

Raouf vom Front Populaire hingegen betont, dass zuerst die materiellen und sozialen Grundbedürfnisse der Tunesier/innen gestillt werden müssten. Auf dieser Grundlage könnten dann Diskussionen um den Laizismus fruchten. Die rechts-religiöse Mehrheitspartei politisiere religiöse Gefühle. Der Front Populaire stehe für einen zivilen Staat, in dem Religion und Politik getrennt sind. Auch Raouf beklagte die propagandistische Gleichsetzung von Laizist/innen und Atheist/innen. Dies sei einer der Gründe für die Niederlage der Linken bei den vergangenen Wahlen gewesen.

In der ausgiebigen und emotionalen Diskussion besonders unter den tunesischen Besucher/innen wurde auf laizistische Traditionen in Tunesien hingewiesen, die dieses Land einzig in der arabischen Welt machen. Die Debatte kreiste zudem um die Stellung laizistischer Forderungen in den Revolutionszielen „Freiheit, Arbeit, Würde“. Vor allem aber wurde deutlich, wie vielfältig das moderne Tunesien ist. Verschiedenste gesellschaftliche Strömungen treffen auf einen Staat, der selbst im (Re-)Konstruktionsprozess ist. Die Referent/innen und die große Mehrheit der Teilnehmer/innen war sich einig, dass die laizistische Forderung nach Trennung von Staat und Religion sowie die Ablehung der Politisierung von Religion dabei zentrale Elemente sein müssten.

Ein spannender Abend mit vielen neuen Einblicken in die tunesische Gesellschaft! Die Fotos der Veranstaltung folgen.

Neuer Laizisten-AK in Freiburg

Gute Neuigkeiten aus dem Südwesten Baden-Württembergs! In Freiburg entsteht der nunmehr zweite SPD-Laizist/innen-Arbeitskreis des Landes. Bereits am 7. November 2012 hatte der SPD-Kreisverband Freiburg offiziell beschlossen, einen Laizist/innen-AK einzurichten.

Die Gründungsveranstaltung findet am 5. Februar 2013 um 19 Uhr im Nebenzimmer des Intercity-Hotels in Freiburg (am Hauptbahnhof) statt.

Die treibende Kraft hinter diesem Projekt ist der Laizisten-Landessprecher Michael Rux.

Monatstreffen mit Lothar Binding – Parforceritt durch den Laizismus

Im Gespräch mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Lothar Binding

Im Gespräch mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Lothar Binding

Am Montag, 17.12.2012, trafen wir uns mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Lothar Binding. Fast zwei Stunden diskutierten wir angeregt. Bei dem Parforceritt durch die verschiedenste Themen des politischen Laizismus zeigten sich viele, auch grundsätzliche Übereinstimmungen

Wir diskutierten einen Antrag von Marc Mudrak zur ersatzlosen Streichung des „Gotteslästerparagraphen“ im Strafgesetzbuch (§166). Dieser stellt die Beleidigung von religiösen Bekenntnissen, Vereinigungen und Funktionären unter Strafe, wenn daraus die öffentliche Ruhe gestört werden könnte. Das sei jedoch eine in einem säkularen Staat unzulässige Privilegierung von Religion und Religionsgemeinschaften. Stattdessen sollten die für alle anderen Personen und Institutionen geltenden gesetzlichen Bestimmungen bezüglich „Beleidigung“ ausreichen. Auch für die Störung der öffentlichen Ruhe gibt es bereits ausreichende Regelungen. Der §166 werde von Kirchen und Religionsgemeinschaften als Kampfinstrument zur Abwehr von Kritik, Abweichung und Ironie instrumentalisiert. Er habe in einer offenen Gesellschaft keinen Platz mehr und verstoße gegen die Meinungs- und Kunstfreiheit.

In der Diskussion.

In der Diskussion.

Die Laizist/innen diskutierten mit Lothar Binding auch über das Thema Beschneidung. Der SPD-Abgeordnete hatte sich der Gesetzesvorlage der Regierung – die Beschneidung bei Jungen fast ohne Bedingungen erlaubt und Religionsfreiheit somit über zahlreiche andere, wichtige Grundrechte stellt – nicht zugestimmt. Er unterstütze den letztlich gescheiterten Alternativantrag.

Zudem wurde Adrian Gillmann zum kommissarischen Sprecher des Laizisten-AKs gewählt. Marc Mudrak wird für ein Jahr nach Paris ziehen und nur unregelmäßig in Heidelberg sein. Vor der Diskussion mit Lothar Binding besprachen die Laizist/innen auch das Programm für das erste Halbjahr 2013. Dafür wurden weiter Kooperationen mit laizistischen/säkularen Verbänden und Gruppen angeregt. Außerdem ist eine Vortragsreihe zum Laizismus in anderen Ländern Europas in Planung.

Bilder vom Landestreffen Baden-Württemberg in Heidelberg

Am Sonntag, 21. Oktober 2012 fand in Heidelberg das Landestreffen der sozialdemokratischen LaizistInnen aus Baden-Württemberg statt. Eine erfolgreiche und produktive Tagung – ein genauer Bericht folgt noch.

Dafür hier einstweilen der Link zu den Fotos auf facebook. Die Seite der SPD-LaizistInnen Baden-Württemberg findet ihr hier.

Die offizielle Homepage findet ihr hier.

Warum wir Laizismus und einen AK dafür brauchen

Die Vorgeschichte

Auf der vergangenen Mitgliederkonferenz der SPD Heidelberg hat sich Genosse Wilfried Schollenberger erneut als vehementer AK-Kritiker positioniert. Bei der Debatte zum Antrag „Kulturwissenschaftlicher Religionsunterricht“ des AK LaizistInnen sagte er zwar nichts zum Thema, dafür aber etwas gegen die Laizistengruppe. Man brauche diese nicht, denn da könne jeder einen AK aufmachen – etwa einen für heterosexuelle Männe.

Tags darauf entschuldigte sich Schollenberger per E-Mail für diesen Sexismus per E-Mail bei unserem AK-Mitglied und Laizisten-Landessprecher Adrian Gillmann. Schollenberger blieb aber bei seiner Grundsatzkritik. Er sieht kein politisches Programm, das Atheisten und Laizisten haben können. Er will nicht, dass der AK die Interessen von Konfessionsfreien in die SPD einbringt. Und er ist gegen eine Reform des Religionsunterrichts, „weil ein glaubender Mensch seinen Glauben weder relativieren noch in Frage stellen muss“ (Zitat).

Adrian Gillmann hat darauf geantwortet. Per E-Mail an Wilfried Schollenberger zeigt er, warum wir in Deutschland und der SPD mehr Laizismus brauchen, warum AtheistInnen und Konfessionsfreie eine politische Vertretung brauchen und warum wir der Religions(gemeinschaften)-Kritik bedürfen.

 

Hier die wichtigen Stellen der Entgegnung von Adrian Gillmann (16.10.2012)

Lieber Wilfried,

Danke für Deine Rückmeldung. Nein, mit sexuellen Orientierungen hatte meine Enttäuschung rein gar nichts zu tun, sondern damit, dass eine Debatte über einen Antrag des AK „LaizistInnen“ dafür verwendet wird den AK selbst zu diffamieren.

Meinetwegen eine nicht verbotene Art Stimmung auf einer Mitgliederversammlung zu machen, aber ich fand es weder der Sache angemessen noch fair. Viel eher eine Art verdeckte Trotzreaktion, die der generellen Arbeit unseres AK gilt.

Hier geben ich Dir im Namen unserer AK-GenossInnen zu verstehen, dass wir unsereArbeit nur umso gewissenhafter und vehementer fortführen werden sowie uns von dererlei Polemik in keinster Weise beeindruckt fühlen.

Laizismus ist in Frankreich seit mehr als 100 Jahren Staatsraison.

Zuerst einmal ist festzuhalten, dass AtheistInnen oder besser gesagt den politischen Atheismus mehr verbindet als bloß eine gemeinsame Negation von Religion, denn gerade der politische Atheismus, der als ideologischer Atheismus des 19. Jahrhunderts ein festes Standbein in der Arbeiterbewegung hatte, verband viele Gruppen, Menschen und stand für Mobilisierung gegen einen allzu starken Einfluss der Kirchen gegenüber dem Stand sowie der Religion gegenüber dem Menschen.

Der AK LaizistInnen vertritt zudem, hier bitte ich Dich einmal genau unser Programm und Selbstverständnis zu Lesen sowie Dich zu informieren, anstatt Stammtischparolen zu vertreten, nicht allein die Interessen der Konfessionslosen, von Dir als Atheisten vereinfacht und unreflektiert dargestellt, sondern ebenso die der Agnostiker, Humanisten, kritischen Religiösen und Säkularen. Im Spannungsfeld dieser Gruppen vereinigt uns nicht einfach ein gruppenspezifisches Merkmal, denn dann gebe ich Dir recht, könnten ebenso die Bier- wie die Weintrinker einen AK einfordern, sondern politische Ziele und eine formulierbare Programmatik.

Deine persönliche Meinung, dass eine Interessensvertretung mehr als zwei positive Merkmale braucht ist weder rational noch empirisch haltbar, denn Interessen können ebenfalls singulär oder rein negativ sein. Hier ist es politisch eine Frage der Organisierung von Mehrheiten oder Gruppen sowie der Überzeugungskraft von Zielen geschuldet, ob eine Interessensvertretung besteht.

Nichtsdestotrotz erfüllen wir sogar Deine Prämissen, denn wir haben sowohl deutliche Zielgruppen als auch verbindliche wie positive Ziele. Diese sind abstrakt formuliert die
größtmögliche Trennung sowie Neutralität des Staates gegenüber Religionen sowie Religions- und Weltanschauunggemeinschaften und deren organisierten Formen wie z.B. Kirchen und zudem die de jure und de facto Verwirklichung der Religionsfreiheit. Hier gibt es im Konkreten Nachholbedarf, wenn Religionsgemeinschaften in ihren
Praktiken Grundrechte berühren bis in Frage stellen, das Arbeitsrecht und die Arbeitsbedingungen in religiösen Tendenzbetrieben eingeschränkt werden und nicht zuletzt bildungspolitische Kompetenz unkritisch wie unhinterfragt den Religionsgemeinschaften zugeschrieben wird.

Gerade neuere Debatten, die oft unsachlich und polemisiert geführt werden, zu Themen wie Islamophobie, Beschneidung, Blasphemie-Gesetze und ähnlichem erfordern eine kritische Religionspolitik, eine ernsthafte Debatte sowie auch den Ruf nach der Begründung politischen Handelns jenseits von Kirchenlobbyismus.

Was eine integrative Religionskunde anbelangt steht deutlich in der Begründung unseres Antrages. Wir sehen in der schulischen wie staatlichen Ausbildung einen klaren, gesellschaftspolitischen Bildungsauftrag, der sich auf ein Allgemeinwissen, eine historische, soziale und vergleichende Kompetenz im Umgang mit religiösen und weltanschaulichen Symbolsystemen beziehen sollte. Junge Menschen in pluralistischen Gesellschaften, in denen gerade der argumentative und verstehende Umgang mit Weltsichten wie Überzeugungen nicht mehr durch homogene Sozialisationen geleistet wird, brauchen hier eine vermittelnde, sachliche wie ansprechende Religionskunde.

Wir stellen übrigens Religionen und Weltanschauungen nicht „auf eine Stufe“, denn oftmals haftet gerade den „Weltanschauungen“ ein negativer Makel an, der davon herrührt, dass gerade Religionen, die historisch konstruiert und sozial gewachsen sich entsprechend dominant durchgesetzt haben, diese als minderwertiger diskreditieren. Was als „religiöse Erfahrung“ oft ein tiefes Gefühl oder verbindlicheres Empfinden den Religionen phänomenologisch zugeschrieben wird, ist letztlich weder wirklich kommunizierbar noch in dem Sinne „vorhanden“.

Forschungen der Religionswissenschaft, der Religionssoziologie sowie der Religionspsychologie zeigen gerade, dass religiöse Gefühle nicht allein durch vermeintlich religiöse Sozialisationen allein, oder gar klassische Gegenstände vermittelt werden, sondern gerade in neueren Formen der religiösen Lebensäußerungen sowie den spirituellen Diskursen oder Patchwork-Religionen auf keine klaren Definitionen hinweisen.

Natürlich können diese sozialen Veränderungen ebenso ignoriert werden wie die Forschungen dazu, aber letzten Endes sollte gerade mit Blick auf die gesellschaftlichen Herausforderungen wie den demographischen, den sozialen, den lokalen und den identitätsbezogenen Wandel nicht mehr von einfach „Glaubenden“ oder „Gottgefälligen“ Menschen die Rede sein. Hier spricht der Krypto-Theologe und wohl eine Vereinfachung des religiösen Lebens und der religiösen Vielfalt auf christozentrische, d.h. an christlich-abendländischen Vor-Urteilen orientiertes Denken aus Dir. Dieses aus unserer Sicht einfache und in dem Sinne auch respektlose Denken teile ich und viele LaizistInnen gerade nicht!

Wir respektieren das vielfältige und pluralistische religiöse Leben, möchten es in den Schranken seiner berechtigten, organisierten und privaten Legitimität fördern, aber eben auch nur dort und vor allem jenseits der politischen Vor(urteils)nahme sowie der Verwechslung von Religion und Politik sowie Politik und Religion verstanden wissen. Unser Staat hat neutral und säkular zu sein!

[…]

Mit freundlichen Grüßen,

Adrian Gillmann

Antrag abgelehnt – trotzdem Achtungserfolg

Bei der Kreismitgliederversammlung der SPD Heidelberg haben die Mitglieder den Antrag des AK LaizistInnen für den Fahrplan zur kulturwissenschaftlichen Religionskunde in Baden-Württemberg abgelehnt. Nach einer emotionalen und mitunter

Adrian Gillmann stellt den Antrag vor.

auch persönlichen Debatte lehnte spät am Abend eine klare Mehrheit den Antrag in einer öffentlichen Abstimmung ab. Doch trotz der teils harten Angriffe haben wir eine ehrenwerte Anzahl von Unterstützerinnen und Unterstüzern bei der Abstimmung verzeichnet. Auch eine beachtliche Zahl an Enthaltungen zeigt, dass viel laizistisches Potential in der SPD Heidelberg steckt. Adrian Gillmann stellte den Antrag vor, der nun erstmal in die weitere politische Arbeit der sozialdemokratischen LaizistInnen beim Landestreffen Baden-Württemberg am kommenden Sonntag (21.10.) in Heidelberg einfließt. Wir machen weiter! Für’s erste mal waren wir letztlich sehr gut!

Zuvor hatte AK-Sprecher Marc Mudrak den Mitgliedern im gut gefüllten Gemeindehaus in HD-Pfaffengrund den Arbeitskreis mit seinen Köpfen, Zielen und seiner inhaltlichen Arbeit vorgestellt. Der Vortrag wurde mit nachdrücklichem Beifall aufgenommen.

Veranstaltung im Rückblick: Ethikunterricht – Praxis und Perspektiven

Am Dientag den 17. Juli traf sich der Arbeitskreis um unter anderem mit der Philosophiedozentin Brigitta-Sophie von Wolff-Metternich über das Thema „Ethikunterricht – Praxis und Perspektiven“ zu diskutieren. In ihrer Zuständigkeit für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium (EPG) und die Lehrerausbildung am Philosophischen Seminar der Universität Heidelberg hat Frau Wolff-Metternich sowohl die Inhalte als auch die Vermittlung und Didaktik kritisch beleuchten können.

In Anbetracht der Vielfalt der Fächergestaltung wie Ethik in Baden-Württemberg, Lebensgestaltung-Ethik-Religion (LER, Berlin) oder Werte und Normen (WuN, Niedersachsen) gilt es vor allem zu fragen was Anspruch und was Wirklichkeit mit Blick auf die Inhalte bedeuten können. Eine allein kompensatorische und halbherzige Funktion im Schatten des konfessionellen Religionsunterrichtes verkennt das positive Potenzial der philosophisch-ethischen Reflexion, das vor allem aus drei Aspekten besteht: 1. Das Lernen reflexiven und selbstständig-kritischen Denkens, 2. Die Einsicht in die Unmöglichkeit der absoluten Letztbegründung der Standpunkte sowie 3. Die Möglichkeiten eines inklusiven Toleranzbegriffes. Resultierend aus der Kulturgeschichte der Aufklärung wird eine Haltung vermittelt, die sehr wohl Standpunkte entwickeln kann und eine ehtische Haltung als reflexive Handlung vermittelt.

Angebliche Alleinstellungsmerkmale des Religionsunterrichtes wie seinen Transzendenzbezug der ganzheitlichen Zuwendung zum Menschen oder die Entwicklung standortgebundener Toleranz braucht ein ethisch-philosophischer Religionsunterricht nicht zu fürchten. Gegenüber exklusiven Modellen von Toleranzen der jeweiligen Gemeinschaften oder Vorannahmen leerer Ganzheitlichkeit bietet er die konstruktiv-kritische Reflexion von Standpunkten und die Schärfung des Denkens, welches wiederum zu einem relationalen und damit toleranten Handeln führen kann.

Ein „dogmatisches Erbe“ philosophischer Konzepte gleich ob durch Kant, Rousseau, Habermas oder Rorty wird bloß dann problematisch, wenn allein philosophisches Fachwissen und Philosophiegeschichte betrieben werden sollen. Dieser unreflektierten Vermittlung sowie die oft allein quantitative Gestaltung der Inhalte gilt es durch Standards zu begegnen, welche Reflexion, Relation und Toleranz als positive Lernziele wie potenzielle Kompetenzbereiche des Faches gestalten.

Diese philosophisch-ethischen Anregungen nimmt der AK zum Anlass Eckpunkte für ein ordentliches Wahlpflichtfach als Alternative zum konfessionellen Religionsunterricht zu formulieren. Zusammen mit religionsgeschichtlichem Wissen einer kulturwissenschaftlichen Religionswissenschaft, die an den Universitäten oft ein ähnliches „Stiefkind“ wie das Fach Ethik darstellt, ergeben sich Perspektiven für eine kulturelle wie reflexive Kompetenz in Sachen Religion. Das Ansinnen der grün-roten Koalitionin Baden-Württemberg „Ethik soll neben Religion als Alternative schrittweise ab Klasse 1 eingeführt werden“ versteht der AK in Heidelberg somit als progressiven Arbeitsauftrag.

Veranstaltung im Rückblick: Schule und Religion in Baden-Württemberg

Nur wenige Tage nach der offiziellen Anerkennung des AK LaizistInnen begann die inhaltliche Arbeit. Thema des AK-Treffens am 27. Juni 2012 in Heidelberg war „Schule und Religion in Baden-Württemberg„. Input kam von Michael Rux, ehemaliger Leiter einer christlichen Gemeinschaftsschule und aktiv in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Rux erklärte die aktuelle Situation der Schulen mit einem Rückgriff auf die Geschichte. Demnach ist der konfessionelle Religionsunterricht in den Schulen ein Relikt der Nachkriegsjahre. Bis heute betritt der Lehrer den Klassenraum für den Religionsunterricht nicht wie sonst als Staatsbeamter, sondern als kirchlich gebundener Verkünder von konfessionellen Glaubenswahrheiten. Das Kreuz in den Schulen ist zwar nicht obligat, aber in größeren Teilen des Landes noch Gang und Gäbe. Bis heute werden Kinder nach religiösen Kriterien für den Religionsunterricht getrennt, anstatt gemeinsam über Religion informiert und aufgeklärt. Anhand weiterer Beispiele erläuterte Rux auch in der folgenden Debatte, warum in den Schulen Baden-Württembergs die Trennung von staatlicher Erziehung und religiöser Trennung und Indoktrination noch lange nicht verwirklicht ist. Ein weiterer Rückschritt droht nun durch die reformierte Gemeinschaftsschule der grün-roten Regierung. Denn auch diese bleibt „christlich“ und das nicht nur im Namen, sehr zur Freude der Kirchenfunktionäre. Der AK greift Anregungen dieses Abends auf und bereitet einen programmatischen Antrag für die Verwirklichung der Trennung von Staat und Kirche in den Schulen vor, der in die SPD eingebracht werden wird.