Vortrag: Loyal dienen – legal arbeiten? Religionsfreiheit, Arbeitsrecht und Diskriminierung bei kirchlichen Arbeitgebern

Am Mo 27. Mai, 20 Uhr c.T., Kantsaal des Philosophischen Seminars, Schulgasse 6

Trotz Tarif-, Arbeitsrecht und Antidiskriminierungsgesetz haben ArbeitnehmerInnen in kirchlichen Einrichtungen oder Einrichtungen unter kirchlicher Trägerschaft in Deutschland nicht die gleichen Rechte wie andere. Das kirchliche Arbeitsrecht bedeutet über Loyalitätspflichten bei Tendenzbetrieben hinaus die Möglichkeit Kündigungs- und Anstellungsverhältnisse nach religiösen Bekenntnissen und Normen auszurichten.

Diese „Loyalitätsobliegenheiten“ hat die Politologin Corinna Gekeler zum Anlass genommen Rechtslage, Verständnisse und konkret Betroffene einer genaueren Analyse zu unterziehen. Ihre Studie „Loyal dienen“ bearbeitet 35 Erfahrungsberichte und zahlreiche Fallbeispiele rund um den „dritten Weg“ und die so bezeichneten Ausnahmeregelungen für kirchliche Arbeitgeber.

In ihrem Vortrag Gekeler-page-001werden die diskriminierenden Sonderrechte der christlichen Religionsgemeinschaften gegenüber ihren Arbeitnehmern kritisch beleuchtet und anschließend diskutiert.

In Kooperation mit den Säkularen Humanisten Rhein-Neckar e.V. und der Juso-HSG!

http://www.gerdia.de/node/134

Gekeler

Religion und Bildung III – Unterricht und Religionswissenschaft

Am Montag den 22. April, ab 19 Uhr Orga-Treffen, Griechische Taverne an der Bergbahn. Ab 20 Uhr: Themenabend und Diskussion

Unser laizistischer AK beschäftigt sich seit seiner Gründung mit dem Thema eines kulturwissenschaftlichen Unterrichtes über Religionen und Kulturen sowie eine konfessionsfreie Religionskunde. Langfristiges Ziel ist es den bisherigen konfessionellen Religionsunterricht, der gewisse Religionsgemeinschaften privilegiert, die Schülerinnen und Schüler separiert sowie eine Art Bekenntnisunterricht darstellt, zu ersetzen .

Wir betrachten eine kulturelle Bildung über Religionen und Kulturen als wichtig. Diese sollte jedoch keine kirchliche oder religiöse Sozialisation voraussetzen noch diese indirekt fördern. Religiöse, konfessionsfreie, agnostische oder atheis695fd1daaftische Menschen sollen mit religiöser Symbolik umzugehen lernen sowie geschichtliche und soziale Kenntnisse über die verschiedenen Kulturen erlangen.

Nachdem wir mit dem Lehrer Michael Rux schon die Bedingungen des Religionsunterrichtes in Baden-Württemberg besprochen haben und die Ethikdozentin Brigitta von Wolff-Metternich uns die ethischen Perspektiven näherbrachte, suchen wir nun mit dem Religionswissenschaftler Dr. Sebastian Emling das Gespräch. Eine kulturwissenschaftliche Religionswissenschaft ist in Deutschland gegenüber der theologischen Wissenschaft und der theologisch-religionspädagogischen Ausbildung finanziell wie strukturell benachteiligt. Dies obwohl gerade die Religionswissenschaft in der kritisch-historischen wie auch komparatistischen Betrachtungsweise Religion als kulturelles Konzept verständlich macht.

Gemeinsam mit Dr. Emling möchten wir die Möglichkeiten und Grenzen von religionswissenschaftlichen Inhalten im Unterricht sowie pädagogische Ansätze diskutieren.

Welche Stellung hat die Religionswissenschaft in bisherigen
Konzepten von „Religionsunterricht“?

Was kann Religionswissenschaft für die Allgemeinbildung beisteuern?

Was kann Religionswissenschaft im Unterschied zu konfessionellem Religionsunterricht
beitragen?

Besuch einer humanistischen Schule in Fürth

Am Freitag den 5. Oktober habe ich mich mit den Säkularen Humanisten Rhein-Neckar auf den Weg nach Fürth gemacht. Die Idee eine humanistische Schule zu besuchen hatten sie uns bei unserem AK-Treffen zum Ethikunterricht vorgestellt.

Nach knapp zwei Stunden fahrt kamen wir in Fürth an und hatten zunächst kleine Schwierigkeiten das Schulgebäude zu finden. Mitten in einer Großbaustelle der Konversionsflächen war der provisorische Bau in schönem Blau: Die humanistische Schule. Träger ist der Humanistische Verband Deutschlands, Regionalgruppe Bayern.
Ich nehme das jetzt mal vorweg: Ich war sehr beeindruckt von der Schule und würde mir mehr solcher Schulen wünschen, vor allem hier im Rhein-Neckar-Raum.
Wir haben zunächst mit der Schulleiterin ein Gespräch im Lehrerzimmer geführt. Sie erzählte uns von dem langen Kampf durch zwei gerichtliche Instanzen, der ca. 4 Jahre lang geführt werden musste, um die Schule überhaupt führen zu können. Selbst als man sich mit der Landesregierung über ein Modell und ein Schulplan geeinigt hatte, wurden weitere Steine in den Weg gelegt. Vielen Menschen ist die „Atheisten-Schule“ eben suspekt.  Wir haben ganz viel über den Aufbau und das System der Schule erfahren, aber auch über die Schwierigkeiten mit denen sie immernoch zu kämpfen haben.
Im Grunde wurde die Schule  als eine Weltanschauungsschule zugelassen, so dass sie im System mit dem religiösen Bekenntnisschulen gleichgestellt ist. Allerdings haben sie die Ausnahme durchfechten können, dass sie auch Kinder aufnehmen können, von denen nicht beide Elternteile Humanisten sind.  Ich hatte zunächst erwartet, dass die Kinder dann in der Weltanschauung der Giordano Bruno Stiftung erzogen werden, dies wurde aber im weiteren Gespräch und im anschließenden Rundgang durch die Einrichtungen revidiert.

Das Humanistische an der humanistischen Schule ist, dass die Kinder zu möglichst mündigen und reflektieren Individuen erzogen werden, die in der Lage sind selbständig zu lernen und ihrer eigenen Lernerfolge zu beurteilen.

Das pädagogische Konzept kommt komplett ohne Frontalunterricht, einen klassischen Stundenplan und sogar die strikten Klassenverbänden aus. Die Kinder sind zwar schon nach Altersgruppen aufgeteilt, dabei lernen aber die jüngeren beiden Gruppen zusammen und die beiden Gruppen der Älteren haben ihre eigenen Räume.

Die Gruppen werden dann von einer Lehrkraft und einer/em SozialpädagogIn betreut, die Kinder entscheiden aber selbstständig an welchen Aufgaben sie arbeiten möchten. Dies kann in Gruppenarbeit, Partnerarbeit, alleine oder sogar in einem abgetrennten Bereich für die einfachere Konzentration passieren. Wenn die Kinder die Pflichtaufgaben nach dem Wochenplan erfüllt haben, können sie sich die Aufgaben aus dem Zusatzangebot aussuchen. Sobald ein paar Kinder ihre Aufgaben in einem Bereich fertig haben, werden sie in einer kleinen Gruppe von der Lehrkraft mit Input versorgt und können sich dann den neuen Aufgaben widmen.
Den Kindern wird geholfen eigene Lernstrategien und ein Zeitmanagement zu entwickeln. Es scheint an dieser Schule sehr gut zu funktionieren und den Kindern, die eben wie mündige Individuen behandelt werden, scheint dieses Konzept zu helfen eine hohe Lernmotivation zu entwickeln.

Allein das Fach Humanistische Lebenskunde wird gemeinsam unterrichtet. Dabei handelt es sich im Grunde um ein Philosophieren mit Kindern. In diesem Rahmen werden unterschiedliche Aspekte des Lebens, des Menschseins und des Miteinanders mit den Kindern, die im Kreis auf Kissen sitzen, diskutiert. Wer aber genug von der Diskussion hat, der kann dann auch ein bisschen Luft ablassen und eine Runde Fußball spielen gehen.

Von den Erzählungen der Schulleiterin und dem was man an Material in den Klassenräumen und den Flurwänden sehen konnte, habe ich den Eindruck, dass diese Kinder wirklich sehr reflektiert und sozial kompetent sind, weil ihnen das selbständige Denken von klein auf ermöglicht wird. Hier findet keine stromlinienförmige Erziehung statt, sondern wirklich Bildung.

Erfrischend ist eben auch, dass die Kinder nicht zwangsweise zu Atheisten erzogen werden. Es sind auch Kinder aus Familien mit religiösem Hintergrund an der Schule und man versucht ihnen nicht die Weltsicht der Eltern abzutrainieren. Es geht nur darum über die unterschiedlichen Sichtweisen auf die Welt nachzudenken und die Kinder zu Neugierde im Lernen und Erkunden der Welt zu motivieren. Ich glaube das klappt.
Wie gesagt, würde ich mir sehr wünschen, dass solche Schulen, nun ja, Schule machen. Vielleicht schaffen es die Säkularen Humanisten auch hier in der Region eine solche Schule zu etablieren. Wir waren uns aber einig, dass es zunächst sinnvoller wäre mit einer Kita und dann einem Kindergarten anzufangen.

Das Konzept dieser Schule und das Fach der Humanistischen Lebenskunde leisten meines Erachtens das, was wir von einem kompetenten Ethik Unterricht oder einem Religionskunde-Unterricht, wie wir es im AK diskutiert haben, erwarten. Davon können wir uns eine Scheibe abschneiden und sie dann versuchen in die Bildungspolitik hineinzutragen.

Gerne kann ich auch noch mehr erzählen bei Rückfragen, es war ein sehr spannender Besuch.
Mariana

hpd-Bericht zur Gerdia-Aktion

Hier ist der Artikel des Humanistischen Pressedienstes (hpd) über den Gerdia-Aktionstag am 8. September. Darin werden prominent auch die die LaizistInnen in der SPD Heidelberg erwähnt. Das Bild des Standes, den wir bei den Säkularen Humanisten/Giordano-Bruno-Stiftung Rhein-Neckar am Heidelberger Bismarckplatz hatten, hat es sogar auf die Startseite der Gerdia-Homepage geschafft.

Am Aktionstag forderte ein breites Bündnis von Laizisten- und Arbeitnehmerorganisationen die Abschaffung tariflicher und rechtlicher Sonderzonen für kirchliche Arbeitgeber.

Die Bilder vom Stand sind auf unserer facebook-Seite zu finden.

Samstag: Infostand zum Aktionstag Gerdia

Nochmal zur Erinnerung: Morgen (Samstag) findet von 11 bis 17 Uhr der Gerdia-Infostand der Säkularen Humanisten Rhein-Neckar am Heidelberger Bismarckplatz statt, an dem wir uns beteiligen. Grund ist der deutschlandweite Aktionstag „Gegen Religiöse Diskrimininierung am Arbeitsplatz“. Dabei verteilen wir Flugblätter und informieren die Bürgerinnen und Bürger über die Themen kirchliches Arbeits- und Kündigungsrecht sowie zu allem, was das Verhältnis Job-Religionsgemeinschaften anbelangt. Kommt zahlreich zu dieser wichtigen Aktion!

8.9.: Infostand in Heidelberg mit Säkularen Humanisten

Am Samstag, 8. September, findet deutschlandweit der Aktionstag gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz der Initiative GerDiA statt. In Heidelberg organisieren die Säkularen Humanisten/Giordano-Bruno Stiftung Rhein-Neckar einen Infostand zu diesem Thema. Die Aktion findet statt am Bismarckplatz von 11 bis 17 Uhr. Der AK LaizistInnen ist mit dabei.

Der Aktionstag soll auf die Situation der Beschäftigten in Sozialeinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft aufmerksam machen. Für diese gilt ein besonderes Kündigungs- und Tarifrecht. Die Kirchen rechtfertigen dies mit ihrer ethischen Sonderrolle. Faktisch drücken sie sich um den Kündigungsschutz und betreiben vielfach Lohndumping, da kirchliche Angestellte kein Streikrecht haben. Wer aus der Kirche austritt oder sich als homosexuell „outet“, kann deswegen entlassen werden.

Das Gesetz der Republik gilt für die Kirchen hier also nicht. LaizistInnen und Säkulare fordern daher, dass das normale Tarifrecht und der Kündigungsschutz auch für kirchliche Angestellte gelten müssen. Nur so gibt es nicht zuletzt wirkliche Religionsfreiheit – Freiheit, die Glaubensgemeinschaft zu wechseln oder Freiheit für Konfessions- und Glaubensfreiheit.