Religion Privatsache? Die Diskussion

Podiumsdiskussion des Säkularen Bündnis Rhein Neckar
Dienstag, 28. April 2015 · 20:00 Uhr · Deutsch-Amerikanisches Institut (DAI) · Sofienstraße 12 · 69115 Heidelberg

Religion Privatsache? Im Sinne der Religionsfreiheit ist das gut, denn jeder Mensch sollte privat und ohne öffentliche Vorgaben entscheiden können, welcher Religion er angehören möchte. Die Ausübung der Religion im Privaten ist im besonderen Sache jedes Einzelnen.
Was jedoch, wenn Religion in der Öffentlichkeit stattfindet?

Religion Privatsache Facebook

Ist mit „Privatsache“ die Verbannung von Religionen und Weltanschauungen aus der Öffentlichkeit gemeint? Wie kann im Zeitalter sozialer Netzwerke und Internet noch zwischen privat und öffentlich unterschieden werden?

Religionen und Weltanschauungen haben das Recht sich öffentlich zu äußern und öffentlich zu agieren. Wie Vereine, Kultureinrichtungen und NGOs dürfen und sollen sie zur öffentlichen Meinungsbildung beitragen. Es ist wichtig für unsere Gesellschaft, dass wir nicht nur einen interreligiösen Diskurs pflegen.

Gibt es jedoch einen Anspruch auf eine staatlich-politische Öffentlichkeit? Muss die Öffentlichkeitsarbeit von Religionen und Weltanschauungen staatlich finanziert werden? In Bezug auf den öffentlichen Rundfunk sowie die religionsbezogene Medienarbeit genießen die christlichen Religionsgemeinschaften immer noch privilegierte Verhältnisse. Öffentlichkeit muss hier noch nicht automatisch eine öffentliche Förderung durch staatliche und politische Ebenen bedeuten.

Das Verhältnis von privater und öffentlicher Religion braucht eine räumliche, rechtliche, freiheitliche und politische Klärung. Neue gesellschaftliche Verhältnisse sollten früh genug Grenzen ziehen und Gestaltungsspielraum ermöglichen.

Der AK Laizistinnen und Laizisten in der SPD lädt im Namen des Säkularen Bündnisses ein zur Podiumsdiskussion mit Vertreter*innen aus Politik, Religion und Weltanschauung.

Teilnehmer:
Gerhard Schick, MdB die Grünen
Çezik Bektaş, Koranlehrer und Vorstand der Mannheimer Moschee
Ilka Sobottke, Pfarrerin der City-Kirche Konkordien und der Evangelischen Studierendengemeinde Mannheim
Sebastian Wucher, säkulare Humanisten
Moderation: Adrian Gillmann, SPD Laizisten

Nachlese: Wir sind Charlie?

Am Dienstag, 10. Februar 2015, hat sich eine bunte Truppe aus Christen, Laizisten, Humanisten, Muslimen, Orthodoxen, Agnostikern und Mitglieder verschiedener Parteien, darunter der stellvertretende Bundesvorsitzende der PARTEI (verbunden mit dem Satire-Magazin „Titanic“) getroffen, um über das Verhältnis von Religion und Satire zu diskutieren. Mehr als 40 Interessierte waren ins Deutsch-Amerikanische Institut Heidelberg gekommen. Die Redaktionssitzung der etwas anderen Art wurde von Marc Mudrak moderiert, der verschiedene Karikaturen zur Abstimmung und Analyse vorstellte. Dürften diese in einem fiktiven Magazin gedruckt werden?

Dabei reichte die Auswahl der Karikaturen von Bildern, die Religionen im Allgemeinen als „prähistorische“ Fundstücke auswiesen, über den „Fanta-Papst“ der „Titanic“ bis hin zu den umstrittenen Mohammed-Karikaturen des Jylland-Posten und von Charlie Hebdo. Entscheidungen über die Druckfreigabe waren in der Regel mehrheitsfähig, mitunter wurden sogar eher Langeweile und fehlende Aussagekraft der Karikaturen beanstandet. Das selbstgesteckte Ziel, dass möglichst alle von einer Karikatur beleidigt nachhause gehen sollten, wurde nicht erreicht. Vielmehr zeigt der Meinungsaustausch, wie schwer es offenbar ist, religiöse Gefühle zu verletzen, wenn Kritik gehört werden darf und in einer Gruppe auch abweichende oder sogar Einzelmeinungen respektiert werden.

P1030722Die Aussage von Humanisten, dass zwischen Einzelpersonen und dem religiösen System oder der religiösen Idee unterschieden werden müsse, teilten nicht alle Anwesenden. Dass Menschen Respekt verdienen und Ideen nicht, wurde zumindest dann in Frage gestellt, wenn es um die gegenseitige Anerkennung ging. Beiträge von Christen betonten vor allem die mögliche Verletzlichkeit und die Forderung, dass gegenseitige Rücksichtnahme vonnöten sei.

Die Karikatur als Mittel der Kritik an Macht und gesellschaftlichen Verhältnissen wurde von dem Typ der politisierenden Schmähschrift unterschieden, die vor allem einzelne Personen und Gruppen angreife. Dabei sei Religion in diesem Sinne immer politisch, weil sie als System und Organisation politische und soziale Macht ausdrücke, während die Überzeugung des Einzelnen immer zu achten sei.

Deshalb verstand es auch ein Humanist angesichts des „Fanta-Papstes“ als Schmähung, dass die Person des Papstes angegriffen wurde. Andere wiederum sahen gerade darin eine Kritik an der Organisation der Kirche, ihrer Hierarchie und Bürokratie. Was beim amerikanischen Präsidenten erlaubt sei, dürfe bei religiösen Oberhäuptern nicht verboten werden.

Eine Karikatur „Kirche heute“ der „Titanic“, die einen Priester in eindeutig zweideutiger Pose vor einem gekreuzigten Jesus zeigte, sorgte für Kontroversen. Während einige humanistische und agnostische Teilnehmer diese sexuelle Anspielung auf die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche eher langweilig fanden, sahen andere darin eine Form der Offenlegung der Doppelmoral kirchlicher Institution. Der Vertreter der PARTEI betonte, dass die Darstellung die Opfer sogar schütze, da sie diese nicht abbilde.

Eine Karikatur über Atheisten und Agnostiker zeige eine auf Bahngleisen liegende Person, die von Christen vor dem herannahenden Zug gewarnt wird. Der menschliche Irrtum im Allgemeinen wurde ebenso als Deutung herangezogen, wie die Feststellung, dass Atheisten oft nur einen Glauben in anderer Form hätten. Dem wurde zumindest von anwesenden Atheisten wiedersprochen.

Der Prophet Mohammed auf der Couch, der sich in einer therapeutischen Sitzung über den mangelnden Humor seiner Anhängern beklagt, fand hingegen großen Anklang. Die 2010 im Zuge von Mordrohungen gegen amerikanische Comiczeichner entstandene Karikatur zeugte in den Augen vieler Diskutanten von Witz und einer klaren Stellungnahme gegen Fundamentalisten und Radikale, ohne die Religion an sich zu kritisieren.

Der weinenden Mohammed von 2006, der das Titelbild von Charlie Hebdo zierte, wurde hingegen als eher in Frankreich wirksame Karikatur angesehen. Mohammed beklagt sich auf dem Bild über sein hartes Schicksal, das darin bestehe, von Idioten geliebt zu werden. In der Debatte wurde herausgearbeitet, dass Satire immer auf den jeweiligen gesellschaftspolitischen Kontext zu beziehen ist und gerade hieraus ihren Biss erhält.

Die letzte Karikatur war die berühmte Karikatur von Kurt Westergaard aus dem Jylland-Posten, die den Propheten Mohammed mit einer Bombe auf dem Kopf zeigt. Diese 2005 veröffentlichte Karikatur wurde fast ein Jahr später gezielt von radikalen Predigern in mehrheitlich muslimischen Ländern verwendet, um Unruhen zu stiften und den Westen an den Pranger zu stellen. Gerade die Zeitverzögerung macht jedoch deutlich, wie Karikaturen, wenn sie aus ihrem Kontext gerissen und neu gezeigt werden, ihre satirische Bedeutung verlieren und ernster werden, als es mögliche Zeichner eigentlich beabsichtigt haben.

Letzten Endes konnte an dem debattenfreudigen Abend nicht geklärt werden, welche Grenzen Satire einzuhalten hat oder wo ihre Machtkritik, gerade auch an religiösen Institutionen und Autoritäten, aufhört. Ist es immer so einfach, die Idee oder die Religion als Machtfaktor zu kritisieren, ohne die indiviuelle Religion zumindest in Frage zu stellen? Darf Satire alles und wenn ja, übernimmt jemand die Verantwortung für mögliche Folgen, wenn die Karikatur anders gesehen wird – und nicht als Satire?

Bei der fiktiven Redaktionskonferenz wurde kein einziges Druckverbot erteilt. Kritik bezog sich v. a. auf die Qualität der Satire. Selbst knappe Mehrheiten wurden noch durch Enthaltungen ergänzt. Nur die letzte Karikatur des Jylland-Posten war für einige zu viel des Guten.

Die Diskussionsatmosphäre und die Möglichkeit, dass sich Atheisten, Christen, Agnostiker, Humanisten, Muslime, Theologen, Islamwissenschaftler und Politiker austauschen und gegenseitig zuhören, sind der bleibende Gewinn des Abends. Auch wenn Religionen immer politisch zu sein scheinen, kommt es auf die Menschen an, die gegenseitigen Meinungen respektieren und Argumente wie auch Gefühle abzuwägen.

Das Gute, dieser Satz steht fest, ist nicht immer die Satire, die man lässt. (Frei nach Wilhelm Busch).

Text: Adrian Gillmann

Wir sind Charlie? Die Bilder zur Diskussionsveranstaltung

Galerie

Diese Galerie enthält 12 Fotos.

Bei einer Veranstaltung des AK Laizist/innen ist am Dienstagabend im Deutsch-Amerikanischen Institut über Karikaturen im Spannungsfeld zwischen Meinungs- und Kunstfreiheit einerseits sowie gesellschaftlicher Verantwortung und gesetzlichen Rahmenbedingungen andererseits diskutiert worden. Marc Mudrak führte als Moderator durch den Abend und konnte … Weiterlesen

Wir sind Charlie? Wie viel Satire verträgt Religion, wie viel Religion Satire?

Dienstag 10 Februar, 2015, 20 Uhr, DAI Heidelberg, Bibliothek

Gespräch und Bildanalyse

Der grauenvolle Terroranschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“  in Frankreich und  die Erignisse in dessen Umfeld haben die Diskussion um das Verhältnis von Religion und Satire neu entfacht. Viele Medien und Menschen solidarisierten sich weltweit mit der Redaktion des Satiremagazins. Oftmals erschien es, als ginge es dabei in erster Linie um die Meinungsfreiheit und weniger das Einverständnis oder gar die Auseinandersetzung mit den Inhalten der umstrittenen Zeitschrift. Diese hatte sich im Besonderen durch die Karikaturen von Religionen und ihrer laizistischen bis atheistischen Grundhaltung vervorgetan.

Gleich ob die Attentäter von Paris einen religiösen Hintergrund hatten oder nicht, das Satiremagazin selbst hatte sich schon seit Jahren zahlreiche Klagen und Kritik von Seiten religiöser Vertreter gefallen lassen müssen. Im Jahr 2011, kurz vor der Veröffentlichung einer islamkritischen Sonderausgabe im Zuge des Wahlsieges der Ehnada-Partei in Tunesien, erfolgten ein Hackerangriff auf die Webseite und ein Brandanschlag auf die Redaktionsräume von „Charlie Hebdo“.

Charlie im Visier

Während neue Diskussionen um den Paragrafen 166 und die Umstände der Beleidigung von Religion in juristischen und politischen Kreisen kursieren, bleibt die ästhetische und inhaltliche Diskussion oft auf der Strecke. Warum und zu welchem Zweck gibt es Satire? Wie weit darf sie gehen und steht ein Bekenntnis zu ihr in einem klaren Zusammenhang zur Presse- und Meinungsfreiheit? „Charlie Hebdo“ hatte offenbar besonders durch die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen religiöse Gefühle verletzt. Allerdings betraf dies nicht alle Muslime gleichermaßen und die TAZ berichtete sogar ausdrücklich, dass sich muslimische Verbände in Deutschland eher gelassen gaben.

Deutsche Muslime halten aus

Ist Satire damit Ansichtssache? Im Falle der Mohammed-Karikaturen oder des Fanta-Papstes der deutschen TITANIC hatten Satiriker eindeutig Symbolfiguren und –Personen der jeweiligen Religionsgemeinschaft aufs Korn genommen. Die religiöse Autorität wurde gezielt in Frage gestellt und die Grenze des guten Geschmacks bewusst überschritten. Man muss nicht gleich die Satire zum Menschenrecht erheben, wie es Tim Wolff es tut, aber mit Heiligem und Entsetzen Scherz zu treiben hat auch eine emanzipatorische Funktion. Dabei ist natürlich nicht alles Satire, nur weil diese alles darf. Die Beurteilung jedoch nur Juristen zu überlassen, erscheint schon als Realsatire.

Satire ist ein Menschenrecht, ein Grundrecht, und alle Menschen haben ein Recht darauf, verarscht zu werden.Tim Wolff, Titanic

Tim Wolff

Satire darf alles

Selbstverständlich gibt es religiöse Gefühle und die Verletzung derselben, aber es muss sich gefragt werden, ob im Medium des gezeichneten und klar als Satire ausgewiesenen Bildes nicht jeder religiöse Ernst ad absurdum geführt wird. Lässt sich ein Scherz nicht auch als Befreiung verstehen? Eine Befreiung, die gerade nicht darauf pocht die Religion selbst, sondern gerade das Verständnis von ihr und die allzu exklusive Lesart selbst einer spöttischen Distanz auszusetzen. Hier bleibt zudem die Wahlfreiheit, ob Jemand sich diese Bilder und Texte antut, oder nicht. Satire über Religionen zwingt sich gerade nicht auf, sie verbleibt als Möglichkeit.

Gerade diese Möglichkeit überschreitet natürlich Grenzen. Vielleicht sind die religiösen Gefühle weniger individueller als kollektiver Art, wenn sich Gemeinschaften in Gänze hierdurch als beleidigt empfinden. Wo jedoch verlaufen die Grenzen gerechtfertigter Kritik und wo darf Satire sich auch zurückhalten? Genauer: Wie viel Satire verträgt Religion und wie viel Religion Satire?

Wir möchten diesen Fragen am 10. Februar  nachgehen und gemeinsam mit Menschen aus der Kunstgeschichte sowie verschiedenen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften ausgesuchte Karikaturen analysieren. Dabei gilt es verschiedene Interpretationen zuzulassen und einmal dem nachzuspüren, was Satire bildlich ausdrückt und wie es sich um religiöse wie weltanschauliche Gefühle verhält.

 

 

Mohammed: Weder Herrscher noch Staatsgründer!

Diese zentrale Botschaft könnte am Ende der Ausführungen des Islamwissenschaftlers Luay Radhan stehen. Entgegen der Eindrücke, die Aktivisten und Terroristen im Namen eines politischen Islams verbreiten, gibt es keinen grundsätzlichen Herrschaftsanspruch im Islam. Argumente hierfür finden sich im Koran, der Geschichte des Propheten, der Geschichte der Mulime und schließlich auch in der Vernunft und Logik des Islam selbst.

Eine laizistische Lesart des Islam bedeutet für Luay Radhan eine Bekräftigung der individuellen Religion und einer religiösen Gemeinschaft, jedoch keines politischen Programmes und die Trennung von Staat und Religion. Radikale Deutungen, der Missbrauch der Religion durch die Politik und ein fehlendes Freiheitsverständnis sind abzulehnen.

Grundlegung im Koran

Schon im Koran findet sich der Begriff „Staat“ kein einziges Mal, dafür aber 49 Verweise auf die islamische Gemeinschaft.

(Sure 4 : Vers 59)

„O ihr Gläubigen! Gehorcht Gott, dem

Gesandten und den Verantwortlichen unter

euch! […].

Mit dem Koran wird auf eine Gottesherrschaft verwiesen, die nicht zwingend einen islamischen Staat zum Gebot hat, sondern an die Gemeinschaft der Gläubigen und alle Menschen gerichtet ist. Denker wie Ali Abdarraziq (1888-1966) weisen zudem darauf hin, dass der Koran nichts über ein mögliches Regierungssystem preisgibt und Mohammed nicht als Herrscher vorgesehen wurde.

(6 :107)

„Wenn Gott wollte, hätte er sie dazu

gezwungen, die Vielgötterei aufzugeben, aber sie

sollen selbst entscheiden. Dich haben Wir nicht

zum Hüter bestimmt, der über ihre Taten wacht.

Du bist auch nicht ihr Wächter.“

Mohammeds Rolle ist für Gama al-Banna (1920-2013) deshalb die eines Richters, eines Propheten, der vor allem Recht sprechen, aber nicht Regieren soll. Ein Staat und vor allem ein islamischer Staat würde den Zwang zur Religion bedeuten, der diese selbst abwertet. Dabei verkündet der Koran gerade eine Freiheit zur Religion, die keinen politischen Zwang begründet.

(2:256) „Es gibt keinen Zwang in der Religion.“

(10:99) „Und hätte dein Herr es gewollt,

so hätten alle […] geglaubt. Willst du

also die Menschen dazu zwingen,

Gläubige zu werden?“

Mohammeds Biografie

Für Turki al-Hamad (*1952) liefert schon die Zeit Mohammeds in Medina keine Anzeichen eines politischen Zwangssystems. Im Zweifel wurde immer für den Angeklagten entschieden und Körperstrafen, die es zwar gab, waren immer die Ultima Ratio und keinesfalls alltägliche Erscheinungen. Mohammed selbst installierte weder eine Polizei, noch eine Armee oder errichtete Gefängnisse, wie Gama al-Banna bemerkt. Er lebte wohl sogar selbst in einer Moschee ohne Türen und nicht wie ein Fürst oder Stammesführer, der sich abschotten und hinter einem Sicherheitsapparat verstecken wollte.

Gemäß Ali Abdarraziq bleibt es fraglich, warum Mohammed selbst keinen Nachfolger ernannt, nie einen islamischen Staat erwähnt oder ein System der Ernennung von Richtern etabliert hat. Für ihn ist Mohammed ein Gesandter und gerade kein Staatsgründer oder Herrscher. Er selbst soll gerade die Menschen rechtgeleitet haben ihre Angelegenheiten in die eigene Hand zu nehmen und nicht als absoluter Führer aufgetreten sein. Weiterlesen

Laizismus und Islam: Islamische Gründe gegen die Idee des „islamischen Staats“

Mittwoch, 19.11.2014, 20:00 Uhr – 22:00 Uhr. Ort: Neue Uni. HS 01
Vortrag und Diskussion mit Luay Radhan, Islamwissenschaftler

In Kooperation mit der Juso–Hochschulgruppe beschäftigen wir uns  im November mit Fragestellungen rund um den politischen Islam. Islamwissenschaftler wie Luay Radhan setzen sich mit islamischen Strömungen auseinander, die gerade keine Theokratie, kein Kalifat oder einen „islamischen Staat“ anstreben. Mittels Vortrag und Diskussion möchten wir auf die Vielfalt von Positionen innerhalb des islamischen Diskurses hinweisen. Diese schließt sehr wohl säkulare und laizistische Positionen mit ein.

Es gibt sehr wohl auch MuslimInnen, die aus islamischen (und anderen) Gründen ausgesprochene GegenerInnen der Idee des sogenannten „islamischen Staats“ sind. Denker wie die Ägypter Nasr Abu Zayd (1943-2010), Farag Fodah (1945-92) und Gamal al-Banna (1920-2013) haben Jahrzehnte lang gegen den Missbrauch des Islams gekämpft. Der Islam wird, genauso wie andere Weltanschauungen, ständig als Quelle der Moral, an die viele Menschen glauben, zur Herrschaftslegitimation missbraucht. (Luay Radhan)

Religionswissenschaft für alle (Säkularen) und zum Anfassen!?

Laizistische Eindrücke eines etwas anderen Ausstellungsbesuches

Eine kulturwissenschaftliche Religionswissenschaft beschäftigt sich ohne theologische Vorbehalte mit Religionen. Wie können jedoch religionswissenschaftliche Theorien und Methoden dargestellt werden? Die Ausstellung „Religion in Ex-Position“ macht es möglich. Mittels einem geringem Budget und weitestgehend selbstgebastelten Exponaten wird der Blick auf die Vielfalt einer Multiperspektivität gelenkt, die Religion als kulturelle Erscheinung sichtbar werden lässt. Brillen an Fäden stellen die absolute Objektivität einer religionsbezogenen Forschung in Frage und Religionsdefinitionen der Philosophie, Literatur oder Zeitgeschichte lassen sich wie aus einer Lostrommel ziehen. Schnell wird deutlich, dass Kontexte religiöser Gegenstände ebenso entscheidend sind, wie die Interpretation religiöser Aussagen.Religion in Exposition2

Bei einer Installation können die Besucherinnen und Besucher mittels magnetischen Bildern selbst bestimmen, was sie als „heilig“ und „profan“ erachten. Ist es ein Stein, oder ein keltischer Kultgegenstand? Sind die Buntglasfenster das Machwerk eines säkularen Künstlers, oder als Kirchenfenster auch von religiöser Bedeutung? Der Kontext bestimmt eben oft, was traditionellen Religionen oder neuen Formen der Verehrung wie Anbetung zugerechnet wird.

Wer nicht glaubt, dass evangelikale Christen mittels Trickfilmen für ihre Religion werben möchten, dass der „Herr der Ringe“ Elemente einer Erlösungsreligion aufgreift und Raumschiffe als Tore zu den Sternen transzendent gedeutet werden können, wird eines hier eines Besseren belehrt.

Religion ist, was wir daraus machen? Mitnichten, denn die zahlreichen Antworten von Besucherinnen und Besuchern auf die Abbildung eines Engels und ein Bild mit dem Schriftzug „Kirche“ lassen deutlich werden, dass religiöse oder weltliche Vorstellungen immer auf kulturelle Überlieferungen zurückgreifen. Während die einen von geflügelten Wesen sprechen und solche Darstellungen als veraltet ansehen, sprechen andere von einem Schutzengel oder gütigen Helfern. Die „Kirche“ wiederum ist Gemeinschaft, Institution, Weltfremdheit und Machtapparat gleichermaßen.

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Religion in Ex-Position – Wie säkular und politisch ist Religionswissenschaft?

21.10.14 um 18:00 Uhr, Triplex-Showroom, Grabengasse 14, Führung mit anschließender Diskussion

Das religionswissenschaftliche Institut in Heidelberg hat eine Ausstellung konzipiert, die über die Darstellung von Religion und die Wissenschaft über Religionen aufklären soll. „Religion in Ex-Position“ begründet dabei gleichermaßen eine praktische Maßnahme für Studierende wie Lehrende und Öffentlichkeitsarbeit für die Religionswissenschaft.

Ex-Position

Im Gegensatz zu religionsbezogener Theologie oder einzelnen Fachwissenschaften, möchte eine kulturwissenschaftliche Religionswissenschaft viele Perspektiven auf einen bunten Gegenstandsbereich entfalten. Religionskritik und die Bedeutung von Religionen für Kultur und Gesellschaft gehören ebenso dazu, wie auch gerade der Blick in andere Kulturen und die Analyse aktueller Phänomene.

Hierbei kann sie ein emanzipatorisches Moment von wie für Religion besitzen, wenn Ihre Beobachtungen zu einer Wahrnehmung von religiöser und weltanschaulicher Vielfalt, kritischen Aspekten und einer eigenen Beurteilungsfähigkeit führen. Nicht zuletzt sind gerade politische Debatten auf kulturelles Wissen sowie eine möglichst „neutrale“ Wissenschaft angewiesen. Ist damit die Religionswissenschaft selbst eine säkulare Größe? Übersetzt sie religiöse Positionen in kulturelles Wissen? Gibt es einen
„neutralen“ Blick auf Religionen und wenn ja, was bedeutet er (religions)politisch?

Der AK der Laizist*innen in der SPD lädt recht herzlich zu einer gemeinsamen Führung durch die Ausstellung mit anschließender Diskussion ein.

 

Stellungnahme zum Beschluss der Jusos BaWü: Laizismus verwirklichen!

Der AK Laizist*innen in der SPD Heidelberg begrüßt den Beschluss der Juso-LDK 2014 zur Trennung von Kirche und Staat. Wir sehen in ihm einen ersten Schritt, um eine zukunftsfähige Religionspolitik jenseits von Privilegierung und Lobbypolitik zu ermöglichen.
„Mehr Laizität wagen“, bedeutet für uns nun auf der Grundlage dieses Beschlusses für eine Umsetzung laizistischer Ziele in den anderen Parteigliederungen und auf den anderen Parteiebenen Sorge zu tragen.
1. Ein vermeintlicher Gegensatz zwischen einer vielfältiger gewordenen religiösen Landschaft, die auch freiere Formen und spirituelle Ansätze berücksichtigt, und Religionsgemeinschaften besteht aus unserer Sicht nicht. Ein „trotz dieser Entwicklungen“ ist für uns ein „gerade durch diese Entwicklungen“, denn Religionen und Weltanschauungen gewinnen durch diese Pluralisierung an Bedeutung.
2.       Es muss eine neue Debatte über das Verhältnis von öffentlich/privat geben, denn nicht jede Öffentlichkeit ist zugleich eine staatliche oder politische. Dies betrifft gerade das Tragen von religiös-weltanschaulichen Symbolen. Grenzbereiche von individueller Religionsfreiheit und staatlich-politische Sphären sind voneinander zu unterscheiden. 
3.       Wir fordern einen kulturwissenschaftlichen Religionskunde- und Ethikunterricht als staatliches Bildungsangebot für alle. Freiwilliger und ergänzender Religionsunterricht kann und darf gerne privat erfolgen.
5.       Wir begrüßen im besonderen die Punkte vier bis neun, welche finanziellen Pivilegien, dem „dritten Weg“ hinsichtlich des kirchlichen Arbeitsrechtes, religiösen Monopolstellungen und einer Einschränkung individueller Freiheitsrechte an Feiertagen eine klare Absage erteilen. 
6.       Die SPD hat als soziale Volkspartei religiös wie weltanschaulich „neutral“ zu bleiben, damit sie ihren Zielen verpflichtet bleibt. Ob religiöse Gruppen und Gemeinschaften „starke Partner“ sind, muss sich immer anhand aktueller Positionen und Fragestellungen bewähren. Es darf weder einen religionslobbyistischen noch einen antireligösen Reflex innerhalb der SPD geben.
7.       Die Anerkennung eines laizistischen Arbeitskreises in der SPD, der sich einer säkularen, multireligiösen und pluralen Gesellschaft gegenüber verpflichtet fühlt, würde diese politische Beschlusslage auch organisatorisch befördern.
Wir unterstützen die Beschlusslage der Jusos und stehen gerne weiterhin als Vermittler und Ansprechpartner*innen zur Vefügung, damit diese Programmatik zur Grundlage einer aktiven wie kritischen Religions- und Weltanschauungspolitik der SPD werden kann. 
„Die Zukunft ist offen!“ (Hamburger Programm)

 

Tanzverbote unzeitgemäß! Gastkommentar von Maurice Mäschig (Bremen)

Am 15. Juli fand in Kooperation der Säkularen Grünen, der Linkspartei, der Piraten sowie der Säkularen Humanisten und des HVD Rhein-Neckar eine Podiumsdiskussion zu den generellen Tanzverboten und einer Reform des Feiertagsgesetzes statt.

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Bericht RNZ

Neben dem Bürgermeister für Chancengleichheit und Integration Wolfgang Erichson (Grüne), dem katholischen Pfarrer Josef Mohr und dem evangelischen Hochschulpfarrer Hans-Georg Ulrichs, war noch der Tanzverbots-Experte und Bremer SPDler Maurice Mäschig geladen. Seinem Engagement war es zu verdanken, dass eine Petitionen der Bremer Bürger*innen zu einer Änderung des Feiertagsgesetzes führte.

In Bezug auf das Verbot von organisierten Tanzveranstaltungen sind sich das alte Bremer und das aktuelle Baden-Württemberger Feiertagsgesetz sehr ähnlich. In Bremen war es bis zur Gesetzesänderung im März 2013 verboten, an allen staatlich anerkannten Feiertagen und jedem Sonntag organisiert zu tanzen. Wie in Baden-Württemberg wurde dieser Teil des Feiertagsgesetzes jedoch zu keinem Zeitpunkt durchgesetzt, noch erfolgten deswegen Klagen. Auch die Kirchen konnten nicht verstehen, warum es an Feiertagen, denen sie eine Bedeutung zumessen, verboten sein sollte zu tanzen. Ihre ablehnende Haltung bezog sich lediglich auf die drei Trauertage Karfreitag, Totensonntag und Volkstrauertag.
Der Zeitraum während dem organisierte Tanzveranstaltungen an diesen Tagen verboten sind, wurde durch die Gesetzesänderung auf 6-21 Uhr am Karfreitag, sowie 6-17 Uhr am Totensonntag und Volkstrauertag eingeschränkt. Darüber hinausgehend ist dort festgehalten, diese Verbotszeiten ab Februar 2018 außer Kraft zu setzen, sodass kein Tanzverbot mehr bestehen würde.

In Heidelberg und vielen weiteren Städten in Baden-Württemberg wurde sich Jahrzehntelang nicht um die Durchsetzung des Verbotes von öffentlichen Tanzveranstaltungen an denen im Feiertagsgesetz genannten Tagen gekümmert. Dies verwundert nicht, da niemand dadurch einen Nachteil hatte. Wer tanzen wollte konnte tanzen, wer beten wollte konnte beten. Aufgrund dieser Erkenntnis und der fehlenden Notwendigkeit, sollte das Wiederentdecken dieses Gesetzes seine sofortige Abschaffung zur Folge haben, statt stur auf seine Einhaltung zu pochen. Die Entwicklung in vielen Bundesländern ist eindeutig: es ist keine Frage ob die Tanzverbote fallen werden, sondern nur wann.